Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
425
Einzelbild herunterladen
 

425

heit und seltenes Ausgehen bei kurzen Tagen, war es mir bisjetzt nicht möglich, mich um diese Schriften umzusehen, was dochso bald als möglich geschehen soll. Im Allgemeinen kann ichaus eigener Erfahrung und aus der Erfahrung vieler trefflicherEltern und Erzieher vor der allzubeförderten Leserei der Jugendnur warnen, besonders in unserer Zeit. Erst heute sagte eintüchtiger Erzieher und gelehrter Schulmann, der selbst eine großeFamilie hat, zu mir:Ich habe es mir zu einer Gewissens-pflicht gemacht, die in unseren Tagen allgemein eingerissene undgehegte und gepflegte Lesewuth unter allen Altern und Ständen,von meinen Kindern, wie eine Pest, fern zu Hallen, und ich habedie Erfahrung gemacht, daß sie allen ihren mit Lesereien über-fütterten Kameraden an Geschick, Verstand, Gemüth und Wissendurchaus überlegen geworden sind. Sie müssen ihre Lectionentüchtig uud gründlich auswendig lernen. Zur Erholung oderZerstreuung dürfen sie höchst selten und nur mit großer Aus-wahl lesen; ich lasse sie unschädliche Leibesübungen und Hand-arbeiten treiben, wobei sie gesund und sittenrein bleiben; durchdas immer fortgesetzte Lesen vieler abwechselnden, spannendenGeschichten ohne alle Wahrheit, oder doch mit einer durchauslügenhaften antikirchlichen, demagogischen Färbung, was heut-zutage schier immer der Fall ist, geht das Interesse an ernstenund religiösen Studien verloren. Es entsteht durch das allzu-viele Lesen endlich eine unwiderstehliche Näscherei, ein Lesehungerohne Verdauung und Sättigung, bei welchem das Gedächtnißin stetem Durchfall ganz zu Grunde geht, was aber etwa hängenbleibt, ist der verderbten menschlichen Natur nach meistensnicht das bessere. Wenn man aber bedenkt, in welchem Grade,absichtlich, die größte Masse aller, und besonders der Jugend-schriften, wo nicht-gegen alle Religion, doch gegen die katho-lische Kirche vergiftet sind und nothwendig ebenso gegen denGehorsam unter die rechtmäßige Obrigkeit u. s. w., so ist diegrößte Auswahl und Vorsicht in der Lectüre der Jugend noth-