An Dieselbe.
Mönchen den ^8. April 18N2.
-— — Von dem neuen Bischof erwartet man lauter
Gutes. W. stimmt durchaus mit dem würdigenden Urtheil überunseren neuen Seelenhirten überein, dem er nur eine kräftigereGesundheit wünscht. O! möchte doch in allen seinem Hirtenstabunterworfenen Schäflein, deren Seelen von ihm werden gefordertwerden, und besonders in uns selbst ein neuer treuer katholischerSinn erwachen, ihm durch Beispiel und Gebet sein schwerverantwortliches Amt mitwirkend zu erleichtern. Ich glaube,liebste Sophie, es wird nicht ohne Segen sein, wenn Du selbstDeine Knaben aufforderst, täglich ein Vater unser und Ave fürden neuen Herrn Bischof zu beten und es manchmal mit ihnenbetest. Veranlasse doch Herrn van der Meulen, den Kindernüber die hohe Würde und Pflichten des Bischofs zu sprechen,und wie man für ihn beten soll u. s w. — Solche in derKindheit gehörten Worte wirken oft bis zum Ende des Lebens,ich weiß es von mir; in der Priestern und rechtmäßiger Obrig-keit feindlichen Revolutionszeit meiner Jugend hörte ich nieGutes von diesen Würden und Ämtern, und sie blieben mirfremd und wurden mir verhaßt; ich betete nicht für den Bischof,ich wußte kaum von seinen violetten Strümpfen; vor demAntichrist aber, von dem mir Herr Schwab sehr lebhaft erzählthatte, zitterte und bebte ich und thue es noch bis auf dieseStunde. — Ich weiß, daß Du die Wahrheit hievon tief fühlstund Dich nach katholischen Eindrücken für Deine Knaben herzlichsehnest, bittest Du aber, darum und empfängst nicht gleich, solasse Dich das nicht irren, sondern lies und thue, wie imEvangelium steht (Lucas 11, 5 —14), es sind die WorteJesu selbst und folgen unmittelbar auf das Vaterunser. Dubrauchst also keines Menschen Rath, wie Du geistliches Brodfür Deine Kinder empfangen sollst, Jesus selbst hat Dirbefohlen, was Du thun sollst: immer wieder und wieder