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2 (1855) (1855)
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An seine Nichte Sophie von Schweitzer.

München den 10. Mär? 18N2.

Mein herzlich geliebtes Kind!

Der gute Steinle hat Dir nun schon berichtet, wie' esDeinem unwürdigen Freund und Diener geht, der nicht ohneThränen an Dich denken kann. Ich bin jetzt, was man sonennt, so ziemlich am Leibe ganz gesund, und wenn ich mitdiesem Briefe fertig bin, wende ich mich zu der Krankheit meinerarmen Seele, erforsche mein Gewissen, und bereite mich zu einerGeneralbeichte. Es ist dieses zum zweiten Mal in meinemLeben.

Ich schreibe es Dir, auf daß Du helfen mögest, mir vonGott durch die allerseligste Jungfrau eine klare Erinnerung, einaufrichtiges Bekenntniß und eine vollkommene Reue zu erstehen.Indem ich, auf der Höhe des Lebens angelangt, fühle, daß derAbhang vor mir ist, sitze ich wie ein armer, müder und krankerWandersmann unter einem Kreuze des Weges, ein wenig Wasseraus dem Quell zu trinken und ein Stückchen Brod zu essen,dessen Du und die Deinigen mir auch ein Theil in den Ranzengesteckt haben; lohne es Gott viel tausendmal an euch undeueren armen Seelen! Mir nicht ferne, auf einer kleinenAnhöhe von vielen Abgründen unterbrochen, liegt von deruntergehcnden Sonne beleuchtet das himmlische Jerusalem, dieStadt Gottes, unser Aller Ziel; barmherziger Gott, wie soll iches erreichen? Nichts Unreines, noch Ungerechtes wird dorteingelassen. Am Thor ist strenge Rechnung, bis auf den letztenHeller muß bezahlt sein; jedes vergebliche Wort wird verrechnet;ach! da suche ich wohl in meinem Wanderbüchlein nach undblättere in meinen Pässen und Rechnungen. Mein Paß istausgestellt in der heiligen Taufe nach dem himmlischen Jeru-