Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
397
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schwer, ich muß immerfort so vieles Zuströmende abweisen, daßich zuletzt müde zusammensinke und der Brief liegen bleibt.Zwei Tage sitze ich schon vor diesen wenigen Zeilen und weißnichts, als daß ich traurig und ganz schwach bin in meinemGemüth und daß ich besser schwiege.

Vergib mir, bete für mich; ich fühle mich so arm undschwach, daß ich kaum darum bitten kann. Grüße die Deinigen.Gott erhalle mir Deine Liebe! Danke doch Georg für mich,ich gab neulich dem Director Schadow einen Brief an ihn mit.

Ach, vergiß Deinen armen Bruder nicht.

Clemens.

Air seinen Bruder Iran).

Mönchen den U. Innunr

Geliebter Bruder! theurer Pflegevater, mein Wohlthäter!

Gestern empfing ich die zu unterschreibenden Erbschafts-rechnungcn, welche anbei unterzeichnet zurückfolgen. Du forderstmich so gütig zu einer genauen Durchsicht auf; auch für dieseDeine Mahnung danke ich Gott und Dir. Er hat Dir dieTreue und Gewissenhaftigkeit gegeben, und Du hast sie treu geübt.

Lieber Bruder! als ich Deinen Brief las, bedeckte ich ihnmit meinen Thränen. Ich konnte die Papiere nicht lesen, ichmußte fortwährend weinen, ich fühlte so tief, daß ich ohne Dichvielleicht schon lang ein armer Bettler wäre; noch jetzt kann ichvor Bewegung des Herzens kaum schreiben. Es ist nicht Freudeüber die Mehrung meines Besitzes, es ist das ganz vernichtendeGefühl meiner innern gänzlichen Unfähigkeit und Armuth, irgendetwas zu erwerben oder zu verwalten, das mich überwältigt,wenn ich Deine treuen Rechnungen sehe.