Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
395
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erdrücken; ich bat ihn Dir zu sagen, Du mögest doch hieherziehen, ich fühlte mich sehr verlassen.

Er versprach es von Herzen und täglich für mich zu beten.Gott habe ihn selig, wie war er vortrefflich!

Die arme Scndtner, *) meine Bedrängniß tief bemitleidend,selbst auf dem Punkte auszuziehen, räumte mir eine großeStube und ließ alle meine Bücher und Bilder und Schriften,Kisten und Kasten hineintragen. Ich war, ich weiß nicht warum,unaussprechlich traurig. Sie schrieb an meinen Freund Hane-berg, der in seiner Heimath Kempten war, und beschwor ihn,zu mir zu ziehen. Appel war hier und besuchte sie. Sie tratmir vor dieser ihre lang vertraute Magd ab; sie wolle sich mitihren Töchtern schon allein helfen. Meine Trauer wuchs. Ichsaß zwischen meinen Büchern und Gcräthen an der Erde, sicbegann mit den liebevollsten Trostworten zu ordnen; ich stauntesie an in ihrem hohen Christenmuth in eigner großer Bedrängniß.Meine Trauer wuchs. Sie ging zur Thürc hinaus, fiel in Ohn-macht, nach drei Tagen war sie todt!!!' Sie starb in Folgeeines Herzfehlers, der in der Familie erblich ist, höchst erbaulich.

So lag ich plötzlich in der höchsten Verwirrung mitten ineiner wehklagenden, sich auflösenden Familie von sieben Kin-dern u. s. w.

Ich werde, wie immer, zu weitläufig; ich kann nicht Allesschreiben, Du magst Dir es denken. Jetzt sitze ich in demverlassenen Quartier mit Haneberg, Herzogspitalgasse Nr. 11,3 Treppen. Noch nicht ganz geordnet, rauchende Ofen, übleBedienung u. s. w. Gott wird wohl helfen.

Das gütige Anerbieten, nach der Heimath zu kommen,fordert meinen aufrichtigsten Dank, aber ich kann es nicht

*) Übersetzerin der Geraldine.