Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
394
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An seinen Bruder Christian.

München 1. Nmiember .1840.

Lieber Christian!

Sei herzlich bedankt und lehne Dir Gott Dein treu brüder-liches Anerbieten mir eine Zuflucht zu gewähren; allein ich sitzebereits wieder angesiedelt mit dem frömmsten, genialsten undgelehrtesten jungen Priester, De. Haneberg, der vorgestern Pro-fessor der orientalischen Literatur an der Universität geworden.Wir haben ein paar arme Knaben bei und, welche er zumgeistlichen Studium anlcitet und eine arme Wittwe als Köchin.Wie es gehen wird, weiß Gott; ich bin unfähig zur Haus-haltung, wehr- und schutzlos.

Ich hatte mehrmals von Arndts gehört, Du habest Neigunghieher zu ziehen. Als Böcker wegfuhr war ich sehr traurig.Ich stand auf dem Schutt meiner bisherigen Heimath, vonSchlotthauer's seit sechs Wochen verlassen, von einer bösenHausbesitzerin stündlich zum Ausziehen, gegen alles Recht, vorder Zeit gehetzt, mit vielen Büchern und Papieren und wußtenicht wohin. Ich fühlte: bloße Freundschaft reiche in solchenFällen nicht aus, es müsse da ein mitgeborener Helfer vonMutterschoß aus eintrcten. Ich meinte: wohnte Christian hier,er würde mir wohl helfen und es wäre ihm auch besser hier.Mein Herz war gar schwer. Böcker stieg in den Wagen frischund gesund, der treue, mir innig befreundete Knappe des Herrn!Die Ahnung des ewigen Abschieds mochte mich unverstanden so

*) Ein frommer Priester aus Wcstphalcn, der den beiden Brüdern befreundetwar und der auf der Heimreise von München, im Sommer 1840 . in Kölnam Schleimficbcr starb.