Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
330
Einzelbild herunterladen
 

330

entsetzlich, ihr ganzes Leiden ist zerreißend, sie ist oft am ganzenLeibe mit Blutschweiß überronnen. Die Annäherung derMenschen und besonders der Sünder ist ihr wie tödtlich; sieerflehte vom Bischof von Trient und von der weltlichenBehörde, daß kein Mensch mehr zu ihr dürfe. Auch sie istüber alle Zweifel truglos. Sie empfängt kein Almosen,und kann in ihren furchtbaren Blutungen nicht mehr langeleben. Alles tritt bei ihr mehr in die Erscheinung. Sie istvon wunderbaren Ereignissen umgeben. Eine geistreiche, höchstglaubwürdige Person, die lange in ihrer Nähe wohnte, erzähltemir, daß man plötzlich ihre langen, reichen, niederhängendenHaare, die durch Blut verklebt und von Pfleglosigkeit undSchmerzen ganz greulich verwirrt waren, auf eine wunderbarreine und kunstreiche Art geordnet und geflochten sah, wie nichtnur die ganz kranke und unbewegliche Person, sondern auch keinanderer Mensch der Gegend es vermocht hätte. Als die Ihrigenfragten:Wer hat es gethan?" sagte sie ganz naiv und

kindlich freudig:Ei, die liebe, heilige Mutter Gottes." Alsder Pfarrer dies gehört und gesehen, ließ er die Haare aufeine unerhörte Weise verwirren, durcheinander tappiren undverknüpfen, und siehe, am anderen Morgen waren sie nochwunderbarer geordnet, als das erste Mal, und:Ei, die liebe,heilige Mutter Gottes!"

Über alle diese Personen hört man im ganzen Lande bisin die Bauernhütten hinein, kein verkehrtes Wort des Tadels,noch übertriebener Verehrung.

Maria von Mörl ist die Tochter eines armen, etwas durchTölpelei und Ungeschick bekannten, adelichen Weingutbesitzers, derverwittwet ist und viele Kinder hat. Maria war immer alsein gutes, barmherziges, aber einfältiges, frommes Kindgehalten. Vor Allem zeichnete sie ihre große Liebe und Ver-ehrung vor dem heiligen Sakrament aus. Ihr Zustand begann