328
an dem Bett der erstarrt knienden Maria vorüber, zur einenThüre hinein, zur anderen heraus. Sie hat keinen von Allengesehen; es ist kein Ärgeruiß, keine Unordnung geschehen, Bielewurden erschüttert, gerührt, bekehrt. Man machte hieraufbekannt, es werde Niemand mehr zu ihr gelassen, und so hörtendie großen Züge auf. Jetzt kommen Reisende oft aus weiterFerne, täglich sehen sie einige Menschen. Sie weiß von Allennichts, aber Alle tragen einen tiefen, segenbringenden Eindruckmit sich weg. Wir waren mit den Phillipsleuten und Görresdreimal bei ihr. Morgens neun Uhr sahen wir sie in exstatischemGebet. Nach Tisch ein Uhr, sahen wir sie erwacht; nach zweiMinuten war sie wieder entzückt und lag wieder auf den Knicen.Es war Freitag, und wir sahen sie von drei bis vier Uhr inPassionsmitleid (was immer an diesem Tage stattfindet). Siekniet auch dann.
Ich habe nie Ernsteres, Erschütternderes gesehen; alleGeduld, Marter, Verlassenheit und Liebe des sterbenden Jesustritt an ihr hervor mit unaussprechlicher Wahrheit und Würde.Man sieht sie nach und nach sterben, ihr Angesicht erhältdunkle Flecken, die Nase wird spitz, die Augen brechen, derkalte Schweiß rinnt nieder, der Tod kämpft in der zitterndenBrust, der Kopf erhebt sich mit schmerzlich geöffnetem Munde,daß Hals und Kinnlade fast in einer Linie; die Zunge verdorrtund zieht sich krampfhaft zurück, die Luft girrt unwillkürlich ausder Kehle, der Oberleib erzittert schrecklich, die Hände sinkenund dann das unkenntlich gewordene Haupt zur Rechten, tiefauf die Brust.
Ein Priester, dem Pater Capistran, der abwesend war,seine Gewalt übergeben, sagte ihr zu ruhen. Im Augenblickelag sie ermattet, aber mit ganz ruhigem Angesicht, ganz geordnetauf ihrem Bett, und nach höchstens drei Minuten wieder mitrührend dankendem Ausdruck auf ihren Knieen und dankte für