326
Müller, dessen Mißhandlung sie der Pfarrer entzogen, versprochen,so sie sich ihm ergeben wolle.
Die fromme Schullehrerfamilie erhält sie, die keiner Nah-rung bedarf. Sie empfängt keine Art von Almosen, nur sehrwenige Menschen haben sie bis jetzt gesehen.
Wir fuhren am lOten nach Botzen zurück und am Iltenfrüh drei Stunden südlich, nach dem reizend liegenden MarkteKaldern. Hier lebt das drei und zwanzigjährige Fräulein Mariavon Mörl, ein liebes, frommes, auserwähltes Geschöpf, seit vierJahren nahrungslos, in steter kniender, exstatischer Anbetungund Betrachtung, seit einem Jahr auch stigmatisirt, mit offenenblutenden Wunden, wie die selige Emmerich. Sie hat dieStummheit des geistlichen Gehorsams Es ward ihr von Gottbefohlen, von ihrem Beichtvater zu begehren, daß er ihr untergeistlichem Gehorsam gebiete, mit Niemanden mehr ein Wortreden zu können, als mit ihm, und auch dann nur das ganzNöthige, die Beichte und was Gott wolle, daß sie ihm sage.
Seit diesem Befehl ist sie stumm; es ist ihr ganz unmög-lich, gegen ihre Geschwister, oder irgend Jemand ein Wortvorzubringen, sie hilft sich mit Zeichen. Sie ist unaufhörlichTag und Nacht im Bette kniend, die Hände ausgebreitet, odergefaltet, in Entzückung erstarrt, in so vorgebeugter Stellung,daß ein Mensch in natürlichem Zustand auf das Gesicht fallenwürde. Sie ist dabei so wunderbar ausgereckt, daß man siefür eine sehr große Person hält, die doch eigentlich klein ist.Ihre Augen sind offen und blicklos, die Fliegen laufen über diePupille, sie zuckt nicht. Sie ist wie ein Wachsbild und ihrAnblick erschütternd.
Dann und wann befiehlt ihr der Beichtvater sich nieder-zulegen, und augenblicklich, man weiß nicht recht wie, ruht siegrade ausgestreckt auf ihrem Lager; nach wenigen Minuten aberkniet sie wieder wie zuvor. Es ist dabei kein Zusammenraffen,