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was Jesus gethan oder geredet? Als ob sie nicht vielmehr dasGegentheil gestanden, ausdrücklich, wie es scheint, um den münd-lichen Überlieferungen noch neben sich Raum zu gönnen? Ist esnicht genug, daß die ersten Christen einen dergleichen von Christoselbst verfaßten Inbegriff aller Glaubenslehren, den sie re^ulamliöei (die Regel des Glaubens) nannten, geglaubt haben?" —
Ja, Lessing sagt sogar von dieser ans dem mündlichenUnterrichte Christi und der Apostel herrührenden, nicht erstspäter aus den Schriften der Evangelisten und Apostel gezogenenund durch die Überlieferung in der Kirche enthaltenen Glaubens-formel, daß die Schrift mit ihr Alles, und ohne sie Nichtsgewesen.
Er sagt weiter aus dem Kirchenvater Irenaus: „Wir habendurch keine Andere die Lehre unserer Seligmachung erlernt, alsdurch Jene, durch welche das Evangelium zu uns gelangte,welches sie damals aber vorher sagten, später aber durch GottesWillen uns in Schriften zurückließen — was aber, so nichteinige Apostel Schriften hinterlassen hätten, hätten wir dann nichtganz der Ordnung der Überlieferung folgen müssen? Ich kannunmöglich," fährt Lessiug fort, „vorsätzlich taub sein, wenn mireinmüthig das ganze Alterthum zuruft, daß unsere Reformatorenunter dem ihnen so verhaßten Namen Tradition viel zu vielweggeworfen haben. Sie hätten wenigstens Dem, was Jrenäusdarunter versteht, das nämliche Ansehen lassen müssen, was sieso ausschließungsweise der Schrift beizulegen für gut fanden." —Ja, und dieser ließen sie auch, was sie für gut fanden, daherihre Beichte und ihre Ehe. Erasmus von Rotterdam, einZeitgenosse Luther's, sagt: „Die große Reformationstragödieendigt wie eine Comödie, denn sie heirathcn zuletzt Alle." —
Alles das, meine geliebte Seele, sage ich Dir nur, damitDu über die Gnade Gottes, die er seiner Kirche im inneistenHeiligthum in ihrer Treue bewahrt hat, nicht ungeschickt denkst