Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
316
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Gestalt unserer Kirche, wenn auch alle Priester in ihr gestorbenwären, und sie leer stünde, wie ein verlassener Bau, nichtheiliger, erweckender, erhaltender, dem lebendigen Leben desHerrn in Seiner Einheit und Nntheilbarkeit gemäßer wäre, alssolche hundert und fünfzig Meinungen über eine Bibelstelle.

Kannst Du es der katholischen Kirche vorwerfen, oder mußtDu sie als eine sorgende Mutter preisen, wenn sie die Verbrei-tung der Bibel keineswegs verbietet, aber der Prüfung derSeelsorger überläßt, welchen Menschen das Lesen der heiligenSchriften ohne zu befürchtenden Mißbrauch und Nachtheil zuerlauben sei. Das Heil der Seelen wird der Heiland sich nichtnehmen lassen; er wird heiligen nach Seiner Gnade, die ErSeiner treuen Kirche, erbaut auf den Felsen Petrus, verheißenhat. Lessinzz war wahrlich kein Katholik, aber ein gelehrter undehrlicher Mann, und er schreibt:Die ganze Religion Christiwar bereits im Gang, ehe einer von den Evangelisten oderAposteln schrieb, das Vater unser wurde gebetet, ehe es beiMatthäus zu lesen war; denn Jesus selbst hatte es seine Jüngerbeten gelehrt. Die Taufformel war im Gebrauch, ehe sie der .nämliche Matthäus aufschrieb; denn Christus hatte sie seinenAposteln selbst vorgeschrieben. Wenn also in diesen Stücken dieersten Christen auf die Schriften der Apostel und Evangelistennicht warten durften, warum in anderen? Wenn sie nach Christimündlich überlieferter Vorschrift beteten und tauften, hätten sieanstehen können, auch in allem Übrigen, was zum Christen-thume nothwendig gehörte, sich lediglich an eine solche Vorschriftzu halten? Oder wenn Christus solche Dinge seiner mündlichenÜberlieferung würdigte, warum nicht alles übrige, was dieApostel von ihm lehren und die Welt von ihm glauben sollte?Etwa darum nicht, weil keiner solchen Vorschrift oder Verfügungim neuen Testamente gedacht wird? Als ob die Verfasserdesselben jemals vorgegeben hätten, Alles verzeichnet zu haben,