Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
308
Einzelbild herunterladen
 

308

allem Glanz ein schlechtes, baldiges Ende nehmen. (Vielleicht,mein Freund, hat Ihre dünne, glasirte Gesinnung, die auchbordirt und von einer Fayon zwischen dem Reifrock der Illaärimscke kompaclour und der Schaberacke eines spanischen Mauleselsist, ein gleiches Schicksal; denn Ihr Geschwätz schwebt der Faoonnach zwischen dem Voltaireismus und dem eines spanischenCarbonaro.) Ich kann Ihnen auf Ihren guten Willen nichtanders dienen, als daß allerdings alle Äußerlichkeiten überallund auch in den Kirchen, oft wahrer als die Prediger, undimmer wahrer als die Kritiker Ihrer Art, den innern Zustandaussprechen. Am schärfsten aber in den Kirchen, wo dieÄußerlichkeit neben Dem erscheint, welcher allein sich aussprichtin den Worten:Ich bin der da ist." Da fällt aller

Schein über den Haufen, welcher sich anstellt, mehr zu sein,als er ist, z. B. auch der glanzgepreßte Futterkattun. Hat ihnübrigens wirklich die Armuth angeschafft, der gute Wille bordirtund die Unschuld (es gibt auch eine am guten Geschmack), solächerlich fa<;onnirt, als Sie meinen, so nimmt der Herr damitfürlieb. Gott behüte! daß in Sachen des heiligsten DienstesNachlässigkeit, Trägheit, Unbekümmertheit vorausgesetzt werdenkönnte. Die würdige Zier der Kirchen hat in dem letzten Jahr-hundert leider unter reichen abgeschmackten, karikirten Über-ladungen mehr gelitten, als unter solchen schnell verwelklichenSchneiderphantasien. Wer sich in der Fastenzeit daran zu ärgernversucht ist, denke es sich als eine Überwindungsaufgabe undschaue in sein Inneres; da wird er unzählige, weit unwürdigereschcinbordirte und fa^onnirte Verhüllungen des Heiligen zuverdammen finden, ehe er an das futterkattunene Futteral desRegensburger Altars kommt.

Sie selbst werden mir gern zugestehn, daß die, welche Gottwirklich in der Kirche suchen und sich vor ihm demüthigen,dergleichen Kritik nicht üben, sondern lieber eine Parabel in