28 S
Misere trösten und aufrichten, aber eben die Gegenseitigkeit desElends ist das Elend, und wie alle Schönheit nichts als eineschöne Zugedecktheit der Abscheulichkeit ist, so ist auch die meistegegenseitige Mittheilung eine Art Convention unter Leuten, diealle in Koth gefallen sind, von lauter Wohlgeruch, Lilien undEngelreinheit zu sprechen.
Gott sei Dank! es geht Dir ja wieder gut. Frau PH.
spricht von einem heitern Briefe von Dir und bringt mir ihreAntwort. Was Du ihr geschrieben, weiß ich eigentlich nicht,
außer Du gehst mit der Frau von R. und der jungen
Sch. um. Die erstere war als Jungfrau eine Freundin
meiner Nichte Savigny, und ich erinnere mich dunkel, sie alsein sanftes Fräulein gesehen zu haben. Melde ihr meinenGruß, den sie, so ich mich nicht irre, zurückgeben mag; Du kannstdann die Löcher unserer Correspondenz damit flicken. Ich wünsche,die Heiterkeit jenes Briefes möge bei Empfang dieses nochbestehen und bis zu einem zweiten von mir fortdauern, dann,verehrteste Miß Z., lege ich meine Feder aufs Ohr, was nochärger ist, als sie hinters Ohr zu stecken. Aber ich fürchte undhoffe, es wird die Heiterkeit weder da, noch von langerDauer sein, und Leid und Lust, Dir mit meiner Feder (verbren-nend oder kitzelnd) ein nasengerümpftes Lebenszeichen zu entlocken,steht mir bevor.
Sehr viel Freude würde es mir machen, wenn ich von Dirhören könnte, und wäre es auch: ach! und aber ach! weh! undaber weh! mir armen Tochter Evä! — Item, ich möchte jetzt erstrecht zu schreiben anfangcn, aber da fügt es sich, daß ich plötzlich
mit A — 's Armengespielin, der Gräfin F. von Regensburg
und Görres aufs Land reisen muß, und der Brief muß fort.
Die einliegenden Weibsleute und Frauenzimmer gebengroße Eile vor, darum empfehle ich mich und Dich und alleÜbrigen in den Schutz des Herrn.
u.
19