Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
279
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Als man ihm die letzte Ölung gegeben, sprang er rasch auf,lief an seinen Betschemel und nahm aus einer Schublade Geld,um dem Meßner das Trinkgeld zu geben. Dieser wollte nichtannehmen, und der todtkranke Bischof lief ihm aufdringend biszur Thüre nach. Eben so that er unter verzweifelten SchmerzenMorgens vier Uhr dem armen Jungen, der ihm die Stiefelputzt.

Am Dienstag Abend erwartete er sein Ende. Melchior undich gingen zu ihm und knieten bei ihm am Lehnstuhle nieder,in dem er sitzt (er liegt seit vielleicht vierzig Jahren nie imBett), er hatte nicht mehr sprechen können, als wir kamen, wirwollten ihn nur sehen und knieten schweigend. Er drücktedemüthig Melchior's Hände und sagte mit starker Stimme:Dank, herzlichen Dank! für Alles, was Sie für mich gethan.Ach, ich weiß es, Sie haben immer viel zu viel auf michgehalten, Gott lohn' es! Es ist nichts an mir, ich bin ein alter,armer Sünder! Ich kann nichts mehr thun, aber ich vertraueauf unseren Herrn, Er wird mir barmherzig sein, wir wollenfür einander beten im Leben und im Sterben." Als ich michihm auf den Knieen nahte, nahm er meine Hände in die seinenund sagte:O, mein Allerliebster! o arbeiten Sie treu, arbeitenSie treu fort, für die Ehre Jesu Christi! arbeiten sie uner-schütterlich fort!" Dann segnete er mich. Es war dieses Redenzu mir um so auffallender, da er mich nur etwa zweimalgesehen und gesprochen, vor etwa sechs Wochen, wo er zu mirkam und mich bat und ermahnte die Passionsbetrachtungendrucken zu lassen.

Wir erwarteten, wie er selbst und die Ärzte, in der folgen-den Nacht seinen Tod. Noch lebt er, geht noch in der Stubeumher, schreibt und sinkt wieder in seinen Stuhl. Gott erbarmesich noch einmal der armen verlassenen Stadt! Die Ärzte habenihn aufgegeben und verlassen ihn nicht. Heute Nacht drohte er