Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
277
Einzelbild herunterladen
 

277

Nachschrift. (In Betreff des Buches von Herbst.) Dumußt christliche Philosophie ganz überschlagen und die anderenArtikel lesen; selbst ich habe zn thun, die philosophischenKapitel klein zu kriegen, diese sind für Leute vom Fach.

An Denselben.

Legciislmrg den 28. Februar 1835.

Geliebter Bruder!

Gedrängte Arbeit, Correctur und Manuscript für denDruck der Passion unseres Herrn nach den Betrachtungen derseligen Emmerich hinderten mich, Dir gleich auf die treueAnzeige unseres Verlustes zu antworten.

Als ich Deinen Brief las waren außer Melchior noch

zwei fromme Priester bei mir, sie weinten alle Drei mit mir,da ich ihnen nur wenige Worte von Anton gesagt hatte. DieUnschuld hat ihre Würde, und ihre Huldigung kann ihr niefehlen!

Wie sehr Dein treues, christlich einfältiges Herz denHingang Anton's fühlen muß, kann Niemand lebhafter fühlen,als ich. Nicht als sei auch ich treu und christlich einfältignein, ich bin sehr böse und armselig! sondern allein weil ich,

so lange ich zurückgedenke, den lieben Anton heimlich schier

mehr als Jemand anderen unserer Familie geliebt habe. Daskam weil ich keine bürgerlichen Geschäfte hatte und ihm immerzuschauen konnte, wie den Tauben auf dem Dache, wenn sie sichsonnen. Ich bin auch in der letzten Zeit öfter bei ihm gewesenund er hat mich schier täglich aus herzlicher Liebe ein Abend-stiindchen auf der Stube besucht, die Ihr lieben Geschwister

mir, so nachsichtig mit meinem Unwerth, unter Euerem Dachevergönntet. Gott lohne Alles!