Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
263
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fordern will. Vergeblich aber ist ein jedes Wort, welchem wirdie Intention zu guter Frucht nicht mitgeben, welches wir nichtin Einfalt und Liebe zu einem heilsamen Zwecke sprechen; tauberausgestreuter Samen, den wir durch Mangel an guter Meinung,an stets gegenwärtiger Liebe, nicht sowohl säen, als zerstreuen.Da fällt mir ein, daß man die Complimente und Redensarten,das lügenhafte Geschwätz der Scheinfreundschaft, einen großenTheil aller Gesellschaftsunterhaltuugen damit vergleichen könnte,als streue einer seinen Hausflur und seine Stube, statt mitweißem Sand, mit dem köstlichsten Waizenmehl und kräuslees mit dem Besen, während viele Arme verhungern, welchedieses Mehl essen könnten, d. h. Unwissende, Kranke, Trostlose,Böse, die er mit diesen Worten dieser Zeit belehren, trösten,bekehren könnte, und Gott, der damit könnte angebetet, angeflehtwerden. Alle Worte aber können Frucht bringen, so wir soganz von guter Intention durchdrungen sind, daß sie Alles,unser Reden, Schweigen, Thun und Lasten wie ein stetsbelebender, heiliger Odem durchweht; so wir selbst ein ganzguter Baum werden, werden wir gute Früchte, guten Samenbringen. Worte, die keine Frucht bringen, sind getödtete Worte,vergebliche Worte; Worte die böse Frucht bringen, sind mißbrauchteWorte, welche böse Werke hervorbringeu, und diese folgen demUrheber nach und klagen ihn ihres Ursprungs an.

Wir können aber auch die Worte Anderer vergeblich machen.Wir können sein wie ein unfruchtbarer, steinigter Acker, welcherdas gute Wort des Anderen nicht aufnimmt in Liebe undEinfalt, und das Wasser des Lebens wie eine Gans von sichablaufen läßt ohne dadurch naß zu werden. Das thun sowohlJene, welche sich der Wahrheit verschließen, als Jene, welchesie nicht zur Reife, zur Frucht und zur Saat austragen, undauch Jene, welche das gute Wort und die Bitte der Anderenals eine Redensart aufnehmen und somit vergeblich machen.