Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
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Da Sie ein Rcchtsgelehrter sind, stelle ich Ihnen meineeigene Lage zur Vertheidigung gegen Sie selbst anheim. Ichsetze den Fall, daß Ihr Selbstgefühl zu beschuldigen getriebenwürde, als steige manchmal die Versuchung in mir auf, Sieeiner großen Sündhaftigkeit gegen die gute Meinung anzuklagen,die Jedermann schuldig ist sich im Herzen seines Nebenmenschenzu erhalten. Würden Sie wohl meine Vertheidigung gegen sichselbst übernehmen?

Ich zweifle bei Ihrem guten Gewissen nicht; aber ob Siedieselbe binnen sächsischer Frist bei den Gerichten abliefernwürden? Können Sie mir zumuthen darauf zu wetten? llnddoch wäre es auch hier eine Armensache, die Sie vertheidigensollten, wie cs eine Armensache ist, die Sie bis jetzt ohne allesLebenszeichen wahrhaftig bis ins Mißtrauen hinein nicht abliefern.

Hätten Sie nur die Barmherzigkeit gehabt, eine ganz roheZeichnung zu schicken, so wäre Alles gut gewesen und ich hättedie Arbeit hier vollenden lassen; aber bei Ihnen ist kein Erbar-men mit mir und meiner Stellung gegen die Behörde, die michbeschuldigt, daß ich sie unverzeihlich hinhalte.

Sie bringen mich in die Verlegenheit, Ihrer künstlerischenAufgabe hinderlich zu werden; denn ich kann Niemanden, dermich um die Art Ihres Talentes fragt, künftig mehr sagen, essei das historische, weil dieses geschieht; ich kann nur sagen, Sieseien nur zu strengster Ausführung religiöser Aufgaben eminentbefähigt, nämlich Einen in der Geduld zu üben, und im Histori-schen höchstens die Erwartung des Messias durch die modernenJuden zu befriedigen, weil dieser nur noch einmal am jüngstenGericht kommt, was Sie sich aber hüten werden herbeizuführen,weil Sie daun auch mit einer Schuld erscheinen werden, nämlichmit der Nichterfüllung Ihres Versprechens. Das aber gehtüber Ihr Vertheidigungstalent, aber nicht über meine Geduld.

Also, werther Herr Fellner, sein Sie doch so ehrlich, mir