Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
209
Einzelbild herunterladen
 

20S

An Professor Steingast in Frankfurt.

KMerif, erste FasteuMche.1828.

Samstag tio. Februar?)

Herzlichen Dank für Alles von und über Görres, was unssehr ergötzt. Auch über Sie und Ihres nicht minder. Dank fürdas schöne Bildchen. Die Erklärung von Ihnen halte ichfür ganz richtig. Jede in ein Bild übersetzte Wahrheit ist einRcchnungsexempel in algebraische Form gebracht, das wieder inZahlen übersetzt, unendlich variirt werden kann; wie Alles, wasin sich Wahrheit ist, eben darum unendliche Formen in sich zurEinheit gebracht hat u. s. w. Das Meer stellt sinnbildlichimmer die Gefahr, das Unsichere des Weltlebens vor, Glaubenund Hoffnung, als Säulen, noch farblos ohne ihre geistlicheEigenthümlichkeit, noch vom unsichern Meere umspielt, tragensieben Stufen aufwärts zum Licht und höchsten Leben. EineSeele durch Gebet und Gelübde mit den sich im Feuer derFürbitte für sie opfernden, bereits erhöhten Heiligen verwandt,steigt durch dieses Gebetsfeuer der Patronen, wie Weingeist, vonStufe zu Stufe der Läuterung. Die erste Stufe ist nichts, alsder feste, ungeläuterte, farbengemischte Grund, wie die Veste sichselbst aus dem Master hebt; darauf fußt die Seele, und besteigtdie grüne Stufe der Hoffnung rein in ihrem geistlichen Sinne,die Beste bekleidet sich mit fruchtbarem Grün in der Seele; dienächste Stufe ist der Glaube, blau im geistlichen Sinne, derblaue Himmel über der grünen Erde; die dritte, rothe Stufe,ist die Liebe in ihrer eigentümlichen Farbe. Aber weil mit demLeben und dem Blute selbst verwandt, so ist sie eine eben sokörperliche, als seelische Stufe, und bedarf einer Läuterung; dasRothe muß in ihr sich selbst verzehren, sie muß rein und weiß

*) Jlluminirtc Zeichnung nach Fiesele.II.

14