Sailer ist durch den in Regensburg Priester gewordenen Kreis-physikus Proske aus Schlesien so hergestellt, daß er sich seitsechs Jahren nicht besser befand. Savignh ist durchgereist, undder Studiendirector v. Schenk war in Regensburg bei ihm.Schenk ist ein einfacher, bescheidener und sehr wohlgesinnter Mann.Man soll mit dem besten Willen viel Gutes für Schule undKirche vorbereiten. Sailer wirkt im Hintergründe demüthig undliebevoll sehr Vieles, ist und bleibt aber arm. Der alte Bischofliegt an Geist und Körper lahm im Bett und zieht seine zwölf-tausend Gulden, und Sailer muß mit seinem Bischen allebischöflichen Depensen machen.
Es wäre doch vielleicht von großem Werth, wenn Duwieder einmal nach Deutschland kämst; denn es ist traurig, wieso ganz einsam dieser Mann der Liebe und Geduld in Deutsch-land, ja in seinem nächsten Kreise steht. So wie er an Weisheitund Liebe keinen ihm gleichen Priester hat, der unserem Augesichtbar wäre, so ist auch in seiner Nähe kein Gehilfe, keinVerstehender, kein lebendiger Freund seines Standes, Melchiorist seine Hand. Der theure, alte Freund ist recht apostolischarm mit seinem Gott und Heiland allein in großer Anstrengungund Arbeit.
Gott mit Dir! Bete und lasse für mich beten, daß ich denrechten Aufenthaltsort finde, wenn ich hier wegziehe, was wohlbald sein muß, da der Sohn des Herrn Diez zurückkehrl unddann meine Stube unentbehrlich wird. Ich bin recht betrübt,ich weiß gar nicht wohin. Ich werde alt und kränklich, Pflegebrauche ich, geistlicher Umgang fehlt ganz. Ach wenn doch GottGnade gäbe, sich ganz zu bekehren und ruhig zu sterben. SeinWille geschehe!