Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
156
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sich beruhen, und beleuchteten ihn mit vieler Delicatesse undGrazie in seiner ganzen Armuth. Es ist ein completes Still-schweigen dagegen beobachtet bis jetzt. Die Stimme aller ver-ständigen Protestanten war allgemein gegen diesen Brief. Mirerregte er eine Art von Rührung, was es meist thut, wenn manden Repräsentanten einer höchsten Gewalt in menschlicher Armutherscheinen sieht. Eine Art der Behandlung, die ich für sehr wohl-thätig gehalten hätte, hat man versäumt. Da das Dasein einesverfälschten Briefes vorgeschützt wurde, hätte man die charaktcri-sirenden Züge des vorhandenen benutzend, einen sehr würdigen,und doch die Conversion mißbilligenden schreiben und verbreitensollen, dann hätte man auf die schonendste Weise am schärfstengestraft. Dieser Brief hätte dienen können, den Katholiken inDeutschland, besonders den Vorstehern, ihre mannich'faltigenMängel vorzuhalten. Wo das Original sagt:man hält michfür katholisirend, und doch bin ich dieser Confesfion seht abhold" hätten die Ursachen folgen können, welche manchen wohl-gesinnten Protestanten abschreckcn, z. B. Schlendrian, Unfeier-lichkeit der heiligen Handlungen, Modernität, Stunden derAndacht u. s. w. Diesen alle gerechten Beschwerden desKirchenverfalls berührenden Brief mußte derselbe Verfasser aufeine würdige Weise beleuchten, die großen Mängel der deutschenKirche bedauern, sie durch die Hindernisse und Verführung derProtestanten und ihrer Wissenschaft und Bücherverderbniß entschul-digen, dennoch größeren Verderb der Protestanten in ihrer tausend-fältigen Spaltung darstellen, und dann die Kirche in ihrerinnern Intention und Ganzheit Herausstellen. Durch diesenWeg hätte man für beide Theile etwas sehr Wohlthätiges aus-führen können. Was dem Briefsteller am meisten vorgeworfenwird, ist, wie er so sprechen könne, da er seine Tochter habegriechisch werden lassen.

Görres hat den ganzen Sommer an einem Wechselfieber