Bochhold. Er lebte noch in dem dunkeln Kämmerchen einer Hüttebei seinem Vetter, einem armen Krämer. Seine Mutter und
wegkommen, da er sich nicht gut rühren kann wegen seiner Gicht, dieSchlangen könnten gut von ihm abkommen."
Die Leute lachten nicht auf diesen Scherz. „Was meint ihr?" fragteder Erzähler den Müller kopfschüttelnd. „„Ich meine, die Geschichte hatWaS in sich, das keinen Spaß verträgt." "
Da fuhr der Erzähler fort: „Ja wohl verträgt sie keinen Spaß, es istder bitterste Ernst, denn überall, wo Menschen leben, gibt es solche Vipernund solche Vipernfängcr, die in gleicher Gefahr leben, ja vielleicht gibt eSauch unter uns dergleichen."
Da schauten sich die Leute verwundert an, und als er nun das Gleichnißauflöste, und in dem von Schlangen umschlungenen Mann den Zustandeines Menschen in Todsünden, und in dem befreiten Mann den durch Bußeund Lossprechung ausgesöhnten Sünder schilderte, war Alles still und tiefbewegt geworden.
Da fuhr der Erzähler fort: „Nicht wahr, wir wollen es machen wieder Vipernfänger, und keine mehr fangen?" „Ja," sagten Alle, „wirwollen keine mehr fangen, mit Gottes Gnade, das ist eine schlechteHandthierung!"
„Wohlan." sagte nun der Erzähler, „was brauchen wir uns auch sogefährlich zu ernähren, wenn wir die Gebote Gottes und der Kirche haltennnd unser Tagewerk redlich verrichten, so werden wir Alle bestehen können,und endlich hilft uns auch wohl eine reiche Erbschaft aus aller Noth, wennwir uns nur nicht dabei anstellen wie der einfältige Peter, von dem icheuch zu guter Letzt noch ein Stückchen erzählen will." —
Die Aufmerksamkeit sammelte sich von Neuem und der junge Priestererzählte ihnen nun die Parabel von dem einfältigen Peter (siehe die zweiund dreißigste der oben benannten Parabeln. Seite 145), welcher am Ufersitzend den Ablauf des Flusses erwartet, während sein Vetter hinüberfährtund die Erbschaft einzieht.
Alle Zuhörer spotteten des einfältigen Peter's; der Luftigmacher sagte:„Wenn der Müller immer so viel Wasser hätte, wie dieser Peter, die Wind-mühle über der Grenze würde ihm nicht so viel Verdruß machen r jetzt aberbraucht er nicht aufs Ablaufen zu warten, er kann sich auf seiner Schieb-karre durchfahren lassen, wenn's drüben was zu erben gibt."
Die Leute lachten und der ehrliche Müller lachte mit und sagte: „MitPläsir, mit Pläsir; aber du sollst mich nicht durchschieben, wenn auch keinWasser unter mir wäre, so hätte ich doch den Schelmen hinter mir, unddas taugt nicht bei dem Erben."
Da lachten Alle den Mann mit der Hahnenfeder wieder aus, und derMüller fuhr fort: „Ich denke aber immer, die Geschichte hat wieder was insich, das wir gar nicht merken."