1LS
schöne Scene! Auch alle Brüder, Schwestern und Vater Diepen-brock knieten und weinten. So schloß unser Aufenthalt.
hinzu: „Damals dachten wir nicht, daß einer von uns Beiden sollte abge-rufen werden, ein Menschensischer zu werden, und dem anderen das Kreuzsollte aufgelegt werden, wie es Euch Gott mit der Gicht aufgelegt hat."
So gab ein Wort das andere, und die guten Leute waren bald wiederohne Scheu und in erlaubter vertraulicher Heiterkeit. Da brachte derjunge Priester die Gesundheit des liebevollen Priestergreises, der ihn aufallen guten Wegen wie sein Engel geleitet, der ihn ohne Weihe aus diesemHause geführt, der ihn als einen geweihten Priester zu seinem Vater zurück-geleitet und sie nun hier Alle mit seiner Segen bringenden Gegenwarterfreut habe: und auch seines lieben Vaters und aller der Seinen Gesund-heit brachte er aus, und die guten Leute riefen Vivat! und schwenkten dieHüte, und Vater und Sohn umarmten sich unter Thränen.
Daß aber die Freude sich dankbar zum Himmel zurückwcnde, von vemsie zu uns niederströmt, stimmten einige Anwesende ein Lied an, das wirhinreichend übersetzt glauben, wenn wir an das Lied von Claudius erinnern:„Alle gute Gabe kommt oben her von Gott,
Vom schönen blauen Himmel herab."
Es waren die Worte wenigstens im Chor:
Die Rührung, die schüchterne Heiterkeit, der Ernst und alle verschie-denen Empfindungen in den Herzen der Anwesenden waren bald imdankenden Jubel dieses Gesanges vereinigt. Alle Anwesenden sangen denChor mit. — Hierauf zerstreute sich die Familie des Gutsherrn lustwan-delnd durch die Gärten.
Als nun die Landlcute sich ungestört ihrer Freude überließen, und ihrLachen und Jauchzen über die Possen des Spaßmachers weit in die Ferneschallte, trat dem jungen Priester, der in einem Lustwäldchen nahe bei demHause seiner Jugend gedachte, ein alter Hausfreund entgegen und sagte zuihm: „Das ist ein glücklicher Tag für die ehrlichen Landleute, wie wenigbrauchen sie, um aller ihrer Armuth zu vergessen; ebenso wenig aber auch,um die ernsten und fruchtbringenden Rührungen dieses schönen Festeswieder in den Wind zu schlagen. Höre nur, wie sie jauchzen und lachen,der possirliche alte Schalk mit der Hahnenfeder auf dem Schlapphut istwieder ganz oben auf; cs wäre doch nicht gut, wenn die Leute nicht irgendein fruchtbares Samenkorn im Herzen von diesem Feste mit nach Haustragen sollten. Du solltest ihnen; da der Abend naht, und sie bald zumBuchweizen-Pfannkuchen heimkehren, irgend eine kleine Geschichte oder einGleichniß mit einer guten Nutzanwendung erzählen.