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2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
125
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er solle nach Bochhold auf seine Vicarie zurück, wo er bei seinerHypochondrie bald zu Grunde gegangen sein würde. Saileraber konnte ihm auch Nichts geben, als den Tisch; denn er hatselbst wenig und vermeidet bei seiner Stellung auch das Geringstefür sich zu thun. Ich ersuchte Tony, dem Ringseis die Lage zumelden, mit Bitte es dem König nahe zu legen. Sie schriebeinen meisterhaften Brief, und neulich meldete mir Melchior, zuseinem und Sailer's großem Erstaunen sei an die RegensburgerRegierung ein königliches Rescript ergangen, daß der König demWeltpriester Diepenbrock aus Westphalen, der, wie er gehört,Sailer Secretärdienste leiste, aus seiner Kabinettskasse, so langeer in Bayern bleibe, jährlich zweihundert Gulden anweise. Eshat Sailer und ihm Freude gemacht, sie wissen jedoch nichtwoher.

In Wiesbaden fand ich Frau P***, welche noch immer, pietistische, schwärmerische Elemente in sich hat, in einer neuengroßen Begeisterung. Die im Anfänge dieses Briefes erwähntepietistische Familie Nolden, welche ihr angekündigt, sie habe denBefehl von Gott, zu ihr zu kommen, war da gewesen, und hatteabschriftlich und gedruckt Reden und Gebete von Seherinnen undSehern im Breisgau, Elsaß und der Schweiz, wovon Adergaßschon sprach, mitgebracht, und das liebe Herz war noch ganzvoll davon.

Ich will Dir jene Erscheinung nach allem, was ich gehört,schildern, da Du in dergleichen eingeweiht, mir viele Wortesparen wirst. Das Ansteckende in den visionären und prophe-tischen Zuständen, sie seien bloß mit körperlichem oder geistlichemoder gemischtem Heile beschäftigt, ist Dir bekannt; eben so ihreÄhnlichkeit mit aller Zeugung, Empfängniß und Geburt einesdritten, das durchaus vom Zeugenden und Empfangenenverschieden, dennoch die Physiognomie und den Zusammenhangmit beiden hat. Man könnte wohl sagen, alle Prophezeiung