Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
124
Einzelbild herunterladen
 

124

In Straßburg erlebte ich noch die erste Woche derArbeiten der französischen Mission, wodurch mir Alles, wasDu von den geistlichen Arbeiten in Rom sagst, nicht mehrfremd war; diese Leute thaten im nämlichen Sinn und Grade.Eine sehr geistreiche Abhandlung darüber von Görres enthältdas Januarheft des Katholiken von 1826 . Auch findest Dudort einen fulminanten Aufsatz von ihm:Die Kirchenverfolgungin Holland."

Der Eifer und die Wirkung dieses trefflichen Menschenfür die Kirche ist der Art, daß er Aufmunterung und Anerken-nung von Rom aus verdient; es würde mich sehr rühren, wennder heilige Vater diesem Paulus sein Gebet oder seinen Segenangedeihen ließ.

Ich reiste mit Görres Sohn, der in Bonn studirt und eintrefflicher Junge ist, zurück, und blieb etwa vierzehn Tage inFrankfurt. Dort erhielt ich Antwort von Melchior auf einenBrief, den ich ihm über alle meine Erfahrungen auf der Reisenach langem Schweigen geschrieben. Weil ich ihm aber gerade sowie hier über das Verhältniß der Mainzer und Luzernergeistlichen Bildung gesprochen, und besonders über meine Freudean der Straßburger Geistlichkeit u. s. w., war sein Brief sehrabstimmig. Die vielen leisen Kränkungen des lieben Sailer's,die er näher als ein Anderer erfährt, und zugleich die großeLiebe und Duldung und Arbeit dieses herrlichen Mannesmachen ihn natürlich strenger im Urtheile gegen die andereSchule; doch ist er stets ungemein liebend und versöhnlich inseinen Briefen, und ich muß ihn in allem christlichen Strebenbewundern. Er arbeitet und correspondirt besonders sehr vielfür Sailer, wozu er ein ungemeines Talent hat, so daß beigroßer Arbeit Sailer's und dessen gänzlichem Mangel an einemgründlichen Helfer durch ihn vielen Leuten Trost zufließt; jedochkonnte ihn sein Vater länger nicht unterstützen, und wollte immer,