Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
110
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Bayern, von da flüchtete es nach Straßburg und der General-vicar Liebermann gab ihm seinen Namen als Herausgeber.

Liebermann und Räß baten Görres zum Mitarbeiter. Erbegann den letzten Jahrgang zu durchblättern und glossirte nunin den neuen Heften alle Themata der letzten Jahrgänge mitgroßem Geist, einer erstaunlichen Schärfe und hie und da mitgewaltigen theologischen Blicken. Es ist vielleicht seit Jahrhun-derten mit solcher Schärfe und Kühnheit und so lebendigem,bilderreichem Feuer in katholischen Dingen nicht geschriebenworden. Er warf sich mit ganzem Herzen hinein. Ich aber sage:er hat so niemals geschrieben, es ist ihm ernst und er that nurwas er glaubt; er ist wieder herzlich bei seiner Kirche, die Geist-lichen lieben ihn sehr und er sie, und seine Tochter ist sehrfromm.

In der Zeitfolge geht voraus. Ehe ich abreiste war ichbei P. in M. da reiste ein russischer Etatsrath Adergaßdurch, ein Pietist von der Krüdnerischen Zeit, er kam ausBreisgau, Basel u. s. w., wo eine russische Familie Nolden,auch Pietisten, und P. befreundet, sich im Kreis einer dortentstandenen visionären Secte aufhält

Dieser fromme Staatsrath hatte eine große Sammlung derprophetischen somnambülen Reden und Gebete aus dem Mundejener Seherinnen ausgeschrieben, die er mit großer Rührung las.Es war aber weiter nichts, als stetes Einerlei von Engeln,Licht, Liebe, Bitten um Bekehrung, wie es jeder Gebildete leichtschreiben kann, doch für die Leute wohl viel. Es war eingemeinschaftliches Sichbewußtwerden eines gemeinsamen Gebetesund Jdeenschatzes in wenig verschiedenen Persönlichkeiten. DasHauptmerkwürdige war: nur eine Kirche, alles Eins, die liebenKatholiken und Protestanten alle Eins werden in einem höherenGeist, jenem visionären die griechische Kirche schien Alleaufnehmen zu sollen, denn es sollte eine Parthie dieser