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2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
105
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LOS

daß vornämlich die obenerwähnte Schwärmerei und der Wunsch,in Rom zu dem Allgemeinen zu gehören, vielleicht auch nocheine Art von Eitelkeit, die man ihm überhaupt nicht absprechenkann, durch seinen Übertritt Aufsehen zu erregen, dazu mitwirkten.

In unserem Kreise befand sich gewöhnlich auch der Histo-'rienmaler Müller aus Cassel, seit kaum zwei Monaten einUnfreier und Brentano's Geschöpf, Busenfreund und warmerVertheidiger. Die Schöne in Ariccia, die er auf seinem nachCassel bestimmten Bilde:Die heilige Elisabeth zur Zeitder Hungersnoth," geschickt angebracht hatte (wie ich auf denBusch schlagend herausbrachte), war gewiß mit Ursache vonseiner Religionsveränderung gewesen. Aber auch aus ihm sprachdie herrschende Vorliebe für Rom und Italien und jener Hangzur Schwärmerei, den ich an Brentano bemerkte. Dabei ließsich in seinem Betragen nicht weniger Verstand und Mäßigungwahrnehmen, und zwar gewöhnlich mehr, als in dem einigerseiner Gegner. Diese Zwei also bildeten die Opposition gegenuns Protestanten, die wir sogar von einigen Katholiken unter-stützt wurden. Die Letzteren (es waren die Künstler F. aus W.und W. aus H., wovon ich diesen, als aus einem protestan-tischen Lande, immer für einen Protestanten gehalten hatte)machten gewöhnlich auch den ersten Angriff auf Brentano, densie bitter haßten, und auf Müller. Ich mußte mich aber nichtselten der Leidenschaftlichkeit und Grobheit schämen, womitdiese Katholiken zwei ihnen in Anstand, Geschicklichkeit undKenntnissen überlegene Gegner bekämpften und, wenn ichAnfangs geschwiegen hatte, vermittelnd oder den Streit fort-setzend eintreten. W. gab eines Abends der katholischen Geist-lichkeit einen empörenden Schimpfnamen. Es war das einzigeMal, daß ich Brentano in Zorn sah.Merken Sie sich das,Herr W.," sagte er,Sie werden morgen davon Rechenschaftgeben."