1«L
allgemeine Vorurtheil durch den ersten Eindruck, den er aufmich machte, nicht widerlegte. Bei näherm Umgänge fand iches indeß anders. Unsere Gespräche betrafen entweder Italien,das er, von Anderen lebhaft bestritten, über alle übrigen Ländersetzte, oder die Religion, und waren immer polemischer Natur.Wenn ich nun, als Protestant mit Leib und Seele (der Tebelhole mir), nie den Anstand und die Mäßigung vergaß, womitimmer eine gute Sache vertheidigt werden sollte, und derenBehauptung uns zum Streite die nöthige Unbefangenheit undGeistesgegenwart läßt, so konnte ich auch meinem Gegner einegewisse Würde in Behauptung seiner Ansichten eben so wenigabsprechen, als den Besitz mannigfaltiger Kenntnisse, wodurch erjene zu begründen und zu verdeutlichen suchte. Zu große Vor-liebe für Italien und begeisterte Lobpreisung desselben, wobeiunser deutsches Vaterland nothwendig in Schatten gestellt wurde,gereichen wohl demjenigen weniger zum Vorwurf, dessen Familieaus Italien stammt.
„Brentano dachte nicht unklar, er sprach nicht undeutlich,seine Ansichten konnten selbst in manchem Betracht liberal undhuman genannt werden; aber befangen zeigte er sich, sobald vonReligion und vom Gegensätze zwischen Protestantismus undKatholizismus die Rede war. Da konnte er das Blut seinerVorfahren und eine Hinneigung zu frommer Schwärmerei, dieendlich ihren selbstständigen Glauben in dem allgemeinen Glaubender hochgebietenden Mutter-Kirche aufgibt und verschwimmenläßt, nicht verleugnen." (Bis dahin der Fuchsschwanz, nunkommt die Kralle) „Mögen die Pension, die man so gern demwiedergefundenen Sohne bewilligt, besonders wenn er sich auf'sWerben versteht, das Secretariat in der Propaganda, dieAussicht auf weitere Beförderung und auf Verbindung mit denangesehensten Leuten, das Ihrige gethan haben ihn zum Über-tritt zur katholischen Kirche zu bewegen, gewiß ist es,