88
mit frömmeren, unkirchlichen Secten, und sie entfernten sich vonder Kirche auf demselben Wege, wo piese sich näherten.
Zu derselben Zeit war mit großem, gewiß achtungswerthein,und nur weil außerkirchlichem auch nothwendig theilweis falsch-wirkendem, Eifer die Frau von Krüdener mit ihren Bußpredigenund Werken der Barmherzigkeit aufgetreten. Sie war gläubiggenug sich des öffentlichen Bekenntnisses Jesu Christi nicht zuschämen, und die bayerischen Religionsbcwegungen waren nichtohne inneres Verband mit ihr. Sie aber hatte, wahrscheinlichnicht in ihrer Absicht, jedoch im innern Leben ihrer religiösenWirkung, durch ihre genaue Verbindung mit der damaligenpictistischen Richtung des Kaisers von Rußland, ein sich ausRußland beziehendes Element. Alle diese religiösen Erregungenwurden durch die mannichfaltigen Gerichte Gottes über Europa,und durch sein Erbarmen mit demselben, von bußfertigen Menschender verschiedensten Art lebhaft ergriffen — und weil außer-kirchlich, fanden sie ihr Ende in mancherlei Greuel oderSeparatismus.
Damals aber ergoß sich auch über die Zeit und einenempfänglichen Theil der Menschheit ein allgemeiner prophetischerGeist, ein gewissermaßen erhöhter, entbundener Zustand desphysischen Befindens. Er brach zuerst auf der nieder» Stufeder körperlichen Heilung hervor, prophezeite Arzneien u. s. w.,man nannte ihn Magnetismus, und diese neue, nie ergründeteErscheinung entwickelte unter den verschiedensten Beobachtungendie wunderbarsten Erfahrungen. Es erwies sich durch Analogieder physischen Erscheinungen die Wahrheit eines erhöhtenZustandes des Menschen, in welchem er empfängt und gibt,was er im gewöhnlichen Zustande nicht zu geben vermag. Erbewies sich bald unabhängig von der Machination der manipu-lirenden Ärzte, er brach hie und da von selbst, ohne allesZuthun hervor, es standen Hellsehende und Propheten an allen