Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
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Geliebter Melchior! Nun thue Dein Herz auf, auch Dubist ja ein geliebtes Kind von ihr. Wer hat wie Du Alles,mein Leid und ihr Leid gelheilt! Nun flehe Du zu Gott, daßEr mich führe seinen Willen zu vollbringen! O, ich bin nunsehr verlassen, außer in Eurer Liebe, und Alles ist mir finstergeworden, außer meine Schuld und das Kreuz! Flehet es anüber mich, daß es mich decke mit dem Schatten seiner Rechten,wie den Schächer, auf daß ich nicht verloren gehe, denn ichging auf der Spur eines Kindes durch das Getümmel derWelt und habe die Spur verloren.

Wer wird ihr die Ruhe nicht gönnen, wenn der Ausdruckzulässig ist? Wahrer scheint mir, wer wird ihr nicht gönnen,daß sie nicht mehr sündigen kann und vor unseren Augen nichtmehr von der Unvollkommenheit und der Sünde gekreuzigtwird? Denn ruhen, was wir so nennen, kann die Liebe nicht,die zwar nicht mehr als eine zertretene Sclavin in den Fesselndes Leibes mühsam sich in der Hilfe schleppet, aber welche nichtruhen kann zu lieben, zu helfen, zu leiden, insofern alle Vollen-deten nur in die höhere Ordnung getreten sind, bis Allesvollendet ist. Uns aber geziemet, als ihren Brüdern undAngehörigen, mit der Erkenntniß und dem Beispiele, das wirvon ihr geerbt, nun geduldig ihr Tagewerk, von welchem derHerr des Ackers sie abgerufen ach! sie sank ermüdet vordem Pfluge der Erbarmung und Fürsorge todt nieder zwarblinder und finsterer, zu vollenden. Der Herr stehe uns beiund sei uns barmherzig und habe Geduld mit uns! Ach, ichbin so unaussprechlich müde! Betet, daß ich mich fortschleppebis zum Ziele.

Liebe Freunde! ach betet doch für mich! Braucht IhrThränen dazu, sehet, ich vergieße sie im Überfluß, sie warenimmer da um meine Schuld, um alle Schuld und um dasbittere Leid des unschuldigen Erlösers. Aber die Bewunderung,