mit dem Pater allein und starb mit einem Minuten langen,lauten Stöhnen sehr besonnen. Der sehr ermüdete, leidendePater hatte die in der Nebenstubc Anwesenden zum Sterbenhereinkommen lassen und betete ermattet mit Vicarius Hilgen-berg, der täglich gar treu und fromm bei ihr gebetet hat, latei-nische Sterbegebete. Limberg sagte mir, sie habe am Nachmittagvor ihrer Schwester, ihrem Bruder, ihrer Nichte, Dienerin undHilgenberg sehr erbaulich gesprochen, unter Anderem mit großemdemüthigem Ernst: „O könnte ich schreien, daß es die ganzeWelt hörte, daß ich nichts bin, als die allerelendeste Sünderin,elender, als der Schächer am Kreuz!"
So erbaulich ihr Tod war, so war er doch voll Schmerzenund von einem furchtbaren Ernst. Ach! es war als gehe dieLiebe den ernsten Trennungsweg von den Hilfsbedürftigen undhabe nichts Gott zum Opfer zu bringen, als die zusammen-gelesenen Büschlein ihrer Sünden.
Ich habe kein Scheide-, kein Entscheidewort — die letzteStation meines Mitlebens war demüthige Armuth und Almo-sendank. Mein Herz ist sehr zerschmettert. Ich Gescheiterterwar gerettet an die einsame Höhle der wundervollsten, begna-digsteu, ärmsten Seele; sie ist ausgeflogen, und singt nicht mehr,und bannt den Sturm nicht mehr. Ich fasse ihr Kreuz undflehe, daß die Welle mich nicht verschlinge.
Geliebter Bruder! liebster Vater Sailer! Ach, so Ihrihrer im Gebet gedenket, gedenket auch meiner, dessen inneresElend die Gütigste wohl kannte — und dennoch hat sic denAussätzigen an ihr Herz gedrückt. Ach, betet ihr unterbrochenesWerk an mir zu vollenden, daß auch ich bald vor dem Richtererscheinen kann, und er mich nicht verdamme. O, ich Aermster!Liebe brauche ich und habe nicht Liebe. O betet für micharmen Diener unser Aller so treuen, so armen, so leidenden,so demüthigen Dienerin vor Gott.