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2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
55
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SS

empfangen; ich kann nicht disputiren, ich weiß nichts, aber ichmüßte verzweifeln, ich könnte nicht leben, lieben, leiden, büßen,sühnen, nicht selig werden, wenn es nicht so, und so nur alleinwahr und wahrhaftig wäre. Wäre Ihnen aber Erkenntniß aufdem Wege des Wissens nöthig, der bloß geahnten Wahrheit sichzu unterwerfen, so müßte ich Sie bedauern, als mit Bewußtseinin den Schlingen der Thorheit, Täuschung, Sinnenlust undBequemlichkeit gefangen, unvermögend Spinngewebe zu zerreißen,und doch über die Ketten der Zeit hoffartig klagend, dennochnicht die Ihnen offenen Wege wissenschaftlicher Erkenntniß zurWahrheit einzuschlagen, auf welcher die edelsten Geister der ZeitFriede und Pathmos gefunden haben.

Aber ich halte Sie eines nähern und kürzer» Wegesfähig; mir ist als schrie die Wahrheit Sie aus Allem an, alsseien alle Sinne Ihnen geöffnet, aber Sie sind im Trillrad derschönen Künste gefangen und laufen auf dem Flecke bleibend,und ich flehe zu Gott, er möge Sie befreien.

Fern sei es von mir die Kunstspiegel unserer schöpferischenAbkunft zu verachten, aber noch ferner sei es von mir, dieWeissagung des Satans: eritis siout vo»s! in diesen Spiegelnzu feiern. Nein, des Weibes Samen wird der Schlange dasHaupt zertreten, hat den Sohn Gottes zum Menschen gemacht,auf daß wir auf seinen Wegen, durch seine Sühnung undVerdienste uns wieder zu unserem göttlichen Ursprung erheben -und so muß denn auch jeder Kunstspiegel ein Spiegel derFinsterniß sein, der Anderes spiegelt, als den Weg, das Lichtund die Wahrheit. Alles aber, was dies nicht ist, was ableitet,hinhält, verlockt von ihm hinweg, in der Kunst wie im ganzenLeben, sei fern von mir und Ihnen, denn es ist des TeufelsVersuchung, ^

Ich stand überall wie ein Ochs am Berg, als ich nichtgedemüthigt zum Kreuz in die Kirche gekrochen war; jetzt scheint