33
Deine hiesigen Patienten hat Gott einigermaßen gesegnet.Das Mädchen mit dem kranken Arm läßt sich bedanken, es istbis auf einige Schwäche geheilt und diente zuletzt bei demMeister Nkelmann uns gegenüber. Der junge Schäfer ist auchbesser, der Pater hat ihn zum Strumpfstricken ermahnt.
Der liederliche Junge war eine Zeit lang im van Rcck-schen Institut, ist aber zurückgelaufen, und man hat sich eben sowenig ums Zurückschaffen bekümmert, als darum, daß er achtzehnJahre alt noch keine Sakramente empfangen; er liegt jetzt ander Wassersucht krank und kann ohne Christenthum sterben.
Es ist sehr betrübt die Geistlichen immer gegen dieBedrückungen der Protestanten raisonniren und lahm feder-fechten zu sehen, während sie selbst das nicht thun oder wissen,was ihnen die Protestanten gewiß nicht verbieten, ja belohnenwürden: wirkliche Seelsorge. So ist auch das Elend derArmen, Kranken und Unwissenden ganz trostlos. Die ganzeübrige Zeit bringen die Herrn mit der weltlichen Herstellungder Schuljufferschaft zu, und die ehelich erzeugten Kirchenkinderwerden einmal in erster Communion spazieren und stolzierengeführt, dann laufen sie ihrer Wege. — Gott helfe uns! —
Es wird diesem nie abgeholfen werden, als bis Welt undZeit verstehende Priester und zwar deutsche, ihr Vaterland durch-wandeln und ohne die Protestanten empörendes Aufsehen durcheinfache, liebevolle, kirchliche Lehre und christliche Liebesarbeit,den katholischen Seelsorgern zeigen, was es sei für Seelensorgen. Widmer's Buch ist den Meisten zu hoch und mehr einBuch für die Sinnvollen unter den neuern Priestern und fürdie sich nähernden Protestanten. Selbst in den frömmsten fran-
*1 Christian Brentano, der unter Anderem auch Medizin studirt hatte, machtesich eine Freude und ein Geschäft daraus, besonder« armen Kranken zuhelfen.
II.
3