Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

einladen bei ihm in seinem Landhaus, eine halbe Stunde vonBochhold, abzusteigen, er wird dann Deine Freundschaft zu Sarasingesellig befriedigen. Er und seine liebe Familie in seinenangenehmen Gartenanlagen sind das einzig christlich und geselligInteressante des ganzen Orts, und alles Andere, wenn es sichhier mit Dir berührt, wird angenehmer und gesammelter.Nirgends anders kannst Du auch nützen und Dein Herz auslassen.Die Kapelle ist im Haus, die Messe täglich, und Morgen- undAbendgebet einer guten Familie gemeinschaftlich, und der Haus-vater bittet gar demüthig um Dein Einkehren, damit er allerleivon Dir lerne. Ich fürchte, wenn Du in Bochhold selbst absteigstwirst Du höchstens zu kameralistischen Gesprächen und einigenSchmausereien kommen, dort aber kannst Du spazierend mitallen Freunden angenehm verkehren u. s. w. Hier wünsche ichDich allein und will Dich dann holen. Von Münster mit Dirzurück kann höchst wahrscheinlich der treffliche junge MannAugust van der Meulen reisen, den ich so dringend Dir undDeinen Knaben wünsche. Dieser Mensch würde Dir das Idealeines Collaborators werden, er hat Sitten wie ein Edelknabe,lernt und begreift wie ein junger Witte, ist fleißig wie eineAmeise, nirgends im Weg wie ein Aal, und dabei reinlich wieein Kätzchen, geschwind wie ein Eichhorn, voll Sprachtalent,aufmerksam, dankbar, voll Ehrgefühl und Demuth, kurz: dasMuster eines literarischen Secundanten, Läufers, Secretärs,Jungens, und hat sehr bedeutende Kenntnisse u. s. w.

Frau Hirn, welche jetzt mit der Gräfin Stolberg undOverberg Zeminarizirt, hat mich den Brief Christian's lesenlassen, ich schärfte ein, ihn dort nicht zu produziren, fürchte aberdoch davor. Aber, geliebter Freund, wie viel Treffliches ist andieser genialischen, frommen, gütigen Frau zu bewundern undzu lernen! Sie beschämt mich immer, wenn gleich der Geschmack