Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
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L

sich ihr auf und machen ihr Krampf und Ekel. Solche Zuständekommen auch im Leben der Pazzis (Magdalena) vor.

In Bezug auf das Ganze hat sich durch ihre jetzigeWohnung nicht viel gebessert, vielleicht konnte sie ohne dieSchwester die letzten schweren Krankheiten besser aushalten, jedochkam sie schier täglich zweimal und brachte immer Kummer; ausder Stadt will sie nie gehen und drängt fortwährend wiederbei ihr zu sein. Die jetzt dienende Kloppe ist sehr unnütz,dumm und geschwätzig und eine neue Last. Für mich, bei allemmöglichen Aufwand von Geduld, Liebe und Hilfe ward seitdieser neuen Wohnung der Raum immer kleiner. Alles wardspärlicher zugemessen, und nach vielem inneren Kummer ist esder Wille Gottes, daß es jetzt ganz ein Ende hat. Wahr-scheinlich kehrt es wieder. Die historischen Bilder scheinen alleingewichen, sie träumt meistens Kind zu sein, wie dies immer beigroßer Krankheit der Fall war, sie sieht auch einzelne Festbilder,sagt, daß sie den Sinn für Geweihtes und Heiliges noch habe,ist mit Kranken und Armen beschäftigt, aber es fehlt an Erin-nerung im Wachen, an Ordnung, Sinn und Verstand desFührers. Doch habe ich noch Hoffnung, daß Gott ffein Werkschützen wird; jetzt ist ihr gar Nichts zuzumuthen, sie ist zu zerrüttet.

Dein Gedanke, Sigrist's Gebetbücher an Frau Hirn spedirenzu lassen, scheint mir sehr gut; das Buch ist hier geliebt, inBochhold wünschen es Viele, auch die Stolberg nähme wohleine Parthie zum Verschenken; sie hat mich schon darum ersuchenlassen. Ich will mit Frau Hirn reden, daß sie sie gleich inMasse dort binden läßt, damit sie wohlfeil bleiben.

Die Hoffnung, welche Du mir zur Copie der Gesichte derSchweizer Nonne machst, erfreut mich ungemein; thue mir dochdiese Liebe, wenn Du kannst; ich will gewiß nichts davonmittheilen, sondern nur daraus lernen über dergleichen. Ichwünsche nur, daß meine Erwartung getäuscht werden und daßes mehr sein möge, als die gewöhnliche Auffassungsart auffaßt,