Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
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Clemens Brentano an seinen Bruder Christian.

Minen den 16. Mi 1828.

Lieber Christian!

Deinen Brief vom 3. Mai habe ich am 12. Mai überFrankfurt erhalten, was mir sehr geschwind scheint.

Es kann möglich werden, daß mein hiesiger Aufenthaltunterbrochen wird, was aber dann aus mir armem Schelmwerden soll weiß ich noch nicht, ich weiß nur, daß mir das Herzmanchmal brechen will.

Ich gedenke auf einige Tage nach Köln zu Frau Hirn zugehen, und dann auch Windischmanu zu besuchen, und mitFrau Hirn zur Dorstener Profeß der Xaveria Guimbert hieherzurückzureisen. Seit einiger Zeit haben die Mittheilungen derEmmerich ganz aufgehört, und die Folge der Bilder vom LebenJesu Tag vor Tag, welche trotz der betrübten Nachlässigkeitund Schlumperei mich hier banden, hat mit dem evangelischenersten Gespräch Jesu mit Nicodemus ganz geschlossen, und indiesem Schließen hat sich ein früheres allegorisches unverstandenesBild erfüllt. Ihre ganze Ordnung hat sich in der letzten Zeitverändert, sie schläft Tags, wacht Nachts unter dem heftigstenHusten und starken Auswurf, ihr Zustand scheint die heftigsteSchwindsucht, dabei ist sie unbeschreiblich magerer als sonst undes ist ihr Eßlust gekommen, sie versucht allerlei grünes Gemüseund muß immer wieder brechen. Zwiegebackenes Brod glaubtsie vertragen zu können und frischen Salat mit Öl, alles Dieseswird ihr aber zur Versuchung, die Gedanken an Esten dringen

*) Nach Freiburg in der Schweiz.

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