Druckschrift 
1 (1845)
Entstehung
Seite
413
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L13

Tleuntes Aapitel.

Orden des Weltheilandes. Bnßsrden der heil. Magdalena.

Wir haben bereits weiter obcil bci dcr Geschichte des Ordensvon Fontüvraud bemerkt, daß nur Frankreich, ein Land, indem einst eine so sonderbare Feinheit in den Sitten herrschte, einBeispiel von Doppelklöstern gegeben habe. Allein um die Mitte desvierzehnten Jahrhunderts erneute eine schwedische Frau mit weni-gen Beschränkungen diese sonderbare Anstalt.

Die heilige Birgitta, die man gemeiniglich Brigitta oderBrigide nennt, war eine Tochter Birgerö, eines Fürsten aushem königlichen Geblüte von Schweden. Ihre Mutter hieß Sigrid a,und war aus dem Stamme dcr Gothenköuige entsprossen. Birg erund Sigrida lebten in dcr strengsten Uebung des ChristenthumS.Allein die fromme Mutter starb bald nach der Geburt unserer Heili-gen, welche man ungefähr in das Jahr 1302 setzt.

Die junge Birgitta wurde von einer ihrer Muhmen, die sichgleichfalls durch ihre Tugenden sehr auszeichnete, erzogen. Sie bliebohne Sprache bis sie drei Jahre alt war; kaum aber konnte siereden, so weihte sie auch schon ihre Zunge dem Herrn. Von Jugendans fand sie nur an ernsten Reden Freude, und die Gnade übteeine solche Gewalt über ihr Herz, daß nur die Hebungen dcr An-dacht sic ergötzen konnten. In ihrem zehnten Jahre wurde sie inuigstgerührt durch die Anhörung einer Predigt über das Leiden Christi.In dcr folgenden Nacht glaubte sie JesnS zu sehen, hängend an: Kreuze,ganz bedeckt mit Wunden und Blut; auch glaubte sic, zu gleicherZeit eine Stimme zu vernehmen, die ihr sagte:Schaue mich an,meine Tochter," worauf sie erwiederte:Ach! wer hat dich so zu-gerichtct?"ES sind, cntgegnete jene Stimme, Jene, die michverachten, und gegen meine Liebe, die ich zu ihnen trage, unempfind-lich sind." Ter Eindruck aber, den dieser geheimnißvolle Traum inihrem Herzen zurückließ, konnte nie mehr ausgelöscht werden, undvon jener Zeit an war das Leideil unseres Erlösers der immerwäh-rende Gegenstand ihrer Betrachtungen. Der bloße Gedanken anden für uns leidenden Gottmenschcn erweichte ihre Seele so sehr, daßsie der Thranen sich nicht zu enthalten vermochte.