und setzte bald Liebe zur Welt an die Stelle der Liebe zu Gott.Jetzt schickte sie ihr Vater als Kostgängern: in das Kloster vonAvila. Bald fand sie wieder Freude au den frommen Hebungen;allein sie hatte auch noch lange zu kämpfen, bis sie die FrüchtedeS Romanenlescns ganz auS ihrem Herzen ausgerottct hatte, undselbst, als sic schon den Schleier genommen, zeigte sich manchmalder alte Feind wieder.
Den Schleier aber hatte sie in ihrem 22stcn Jahre genommenund bald die Uebcrzengnng gewonnen, daß die von dem PatriarchenAlbert von Jerusalem gegebene Regel nicht znreiche, vielmehr ihrOrden einer gründlichen Verbesserung unterworfen werden müsse.Sie fügte daher eine gewisse Anzahl neuer Bestimmungen hinzu,welche die Observanz noch strenger machten. So machte sic daöBarfnßgehcn zu einem unverletzbaren Gesetze, ' und man sah sieselbst stets mit ganz bloßen Füßen ausgehen. Der Gehorsam wurdemit einer so großen Strenge dnrchgcführt, daß man gewissermaßendas Unmögliche hätte versuchen müssen, wenn cs je besohlen wer-den könnte. Denn, sagte die heilige Theresia, die Stimme desSuperiors ist Gottes Stimme. Das Gelübde der Armuth ward sogewissenhaft beobachtet, daß diese Nonnen vom Papste ein Breveerhielten, demgemäß sie weder Ländereien noch Einkünfte besitzen,sondern einzig von Almosen leben sollten. Drei Mal wöchentlichzüchtigten sie sich mit Ruthen, so daß beinahe das Blut hernnterrann,und viele baten »och um die Erlaubnis;, die Disciplin wiederholen zudürfen. Wer das Gesetz des Schweigens übcrtrat, hatte eine nochstrengere Züchtigung zu erwarten. Das Fasten, das zudem oftwiederholt wurde, erhielt durch die vielen Ncbenabtödtungen, mitdenen man dasselbe freiwillig begleitete, ein doppeltes Verdienst.Unter ihren ans geringen Stoffen verfertigten Kleidern aber trugen
> Das Barfnßgchen war früher scheu, z. B, bei den Franziskanern Sitte;allein erst in dieser Epoche wurde es, und zwar besonders durch den Einflußder heil. Theresia, allgemein angenommen. Jeder Orden, mit Ausnahme derBenediktiner, hatte bald Barfüßer. Dabei darf man jedoch nicht gerade an-nchmen, daß ihre Füße buchstäblich bloß waren; sondern diese Mönche unter-scheiden sich mir durch das Tragen von Sandalen, statt der wirklichen Schuhe,wofür der Ausdruck „nnbeschuht" passend ist. Gleichwohl war den Eifrigstendas Barfnßgehcn im strengsten Sinne des Wortes nicht verboten.