Druckschrift 
1 (1845)
Entstehung
Seite
362
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Aus einem dieser Nonnenklöster nun ging die dritte, unwidcr-sprechlich die wirksamste Verbesserung des Karmclitenordens hervor.Eine Frau unterzog sich einer Strenge, die selbst Männern zu hartgeschienen hätte, wir meinen die heilige Theresia von Cepeda(1515-1582).

Diese Heilige wurde zu Avila, in Altkastilicn geboren, undwar die Tochter des Don Alphonso Sanchez von Cepeda und derBeatrir von Ahnmada. Nach einer damals in Spanien herrschen-den Sitte war sie nach ihrer Mutter znbenannt. Die adeligenAcltern wußten cS recht wohl, daß der wahre Adel der der Tugen-den ist, und unterließen daher nicht, ihren sieben Kindern eine guteErziehung zu geben. So kam es denn, daß Theresia schon inihrem sechsten Jahre die Spiele der Kindheit verließ, und am Lesender Lebensbeschreibungen der Heiligen große Lust hatte. Unter ihrenGeschwistern schenkte sic ihrem Bruder Rodrigo die meiste Liebe unddas größte Vertrauen; waren sic doch einig in den Regungen ihresHerzens. Die Schicksale der Märtyrer sprachen so eindringlich zuden zarten Herzen, daß sie sich entschlossen, zu den Mauren zufliehen, um hier die Martyrerkronc zu erlangen. Allein ihr Oheimbegegnete ihnen ans ihrer Flucht, und brachte sie in das ältcrlichxHans zurück, das sie nunmehr ohne Aufsicht nicht mehr verlassendursten. Nächst den Märtyrern erbauten sie sich am meisten audem Einsiedlerleben, und bald konnte man in ihrem Garten Klausenbemerken, in denen sic ganze Tage verweilten. Allein im Jahre1527 starb ihre tugendhafte Mutter, und nun sielen sie der Leitungweltlich gesinnter Verwandten anheim. Man verstand cs, die ju-gendliche Phantasie Theresiens mit der Lektüre von Romanen anzn-feuern. Dies; heimlich zehrende Gift nagte auch an ihrem Herzen,

erschwert war, als Kostgängerincn aufznnehmen und mit wahrhaft aufopfern-der Liebe zu verpstegen. So nuu geuoffeu sie, ohne ein Gelübde abzulegen, diesegcnsvolle Liebe ihrer Schwestern. Wahrlich! in unfern Tagen zwingt oft dieArmuth manche Mädchen zu einem schändlichen Gewerbe, von dein sie keineAnstalt der Liebe rettet. Solche Znstnchtsstättcn der Unschuld sind nicht mehr:der Geist der Zeit ist ein anderer geworden, und man bebt zurück, wenn mandas WortKloster" ansspricht. Unglaube, Unsittlichkeit und Verzweiflungverbreiten sich wie eine Seuche stets mehr und mehr über christliche Staaten;aber die stillen Zellen der Klöster öffnen sich mir mühsam und die Liebe zeigtsich nicht mehr so bereit znr Rettung solch' unglücklicher Opfer!