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Kreis der zur Erleichterung der Heiligung dienlichen Uebnngen schiendurchlaufen zu sehn, ohne daß die Verbesserungen, deren Gemäldewir im ersten Buche entworfen haben, wirksam genug gewesen wä-ren, die Feuerprobe der Zeit zu bestehen. Denn die Mönche undNonnen vernichteten selbst durch ihre Abweichungen von der Regeldas Erstaunen erregende Schauspiel wieder, welches die Strengeihrer ersten Tugenden den Laien gegeben hatte. Und dennoch er-eignete es sich, daß eine Regel, welche ein äußerst einfaches Mit-tel zur Vollendung heiligte, eine neue außerordentliche große Liebezum Mönchthum hervorrief, und ihm ans eine Dauer von wenig-stens dreihundert Jahren den Einfluß wieder sicherte, den cs bei-nahe ganz verloren halte, den es aber wieder fand, um ihn mitgrößerem Ansehen und umfangsreichercm Nutzen als je auszunbcn.Wer hätte es (ohne wenigstens zum Voraus Alles zu kennen, wasLiebe und Begeisterung gebären kann) sich eingebildet, daß mandurch Veränderung des Gelübdes der Armuth in ein Gelübde desBettelns dem Klosterlcben wieder einen so großen Glanz verlei-hen könnte? Wir wollen es gerne gestehen, daß die Erneuerungdes Ansehens und Einflusses der Mönche ans mehr als Eine Ur-sache zurückgeführt werden müsse; allein cs ist nichts desto wenigergewiß, daß sie sich von der Stiftung der Bettelorden herschreibt,daß sic eine unmittelbare Folge von ihnen ist, und daß man vonnun an diese Anstalt als den Hauptgrund der Verjüngung desMönchstandcs betrachten muß.
Im 12tcn Jahrhundert war Europa mit verschiedenen häretischenSekten verpestet, welche durch das Acnßerlichc der Armuth, Abtöd-tung und Demnth das Volk verführten und ihren Jrrthümern Auf-nahme verschafften. Solche waren die Katharer, ' die Waldenser
' Eine der verachtetsten Sekten des Mittelalters waren die Katharerdie Reinen, -La/.),'), woraus das Wort Ketzer entstanden ist.Sie war zugleich die verbreitetste, manichäisch-gnostischen Ursprungs, von Klein-asien nach Thraeien und der Bulgare! übergesiedelt, von wo sie sich ins übrigeEuropa verbreitete, und besonders in Mailand und dem südlichen FrankreichEingang fand, dortPatarencr, sonst auch Paulicianer, Bulgaren (wovon das fran-zösische Schimpfwort Uonzi'L noch geblieben ist), Manichäer, Lollharden u. s. w.genannt. Diese Sekte nahm zwei Urwesen an, ein gutes und ein böses; dasböse habe die sichtbare Welt geschaffen. Sie enthielten sich des Genusses allerthierischen Stoffe; die Ehe verwarfen sie als Hurerei; die Leichtfertigen ge-