Geschichte der Mönchsorden.
Zweites Buch.
Von der Stiftung der Bettelorden bis zu LuthersKirchenspaltung.
Erstes Kapitel.
Der heilige Franziskus von Assisi, Stifter des Ordens der mindern Brüder.
So wie der Geist der Zerstreuung und Unordnung, welcherfast in alle Zweige des großen Bencdiktinerordens eingcdrungcnwar, die Obergewalt bekam und den Verfall des Ordens nach sichzog, schien cs auch, das Mönchthum, dessen Kern damals die Be-nediktiner bildeten, gehe von selbst seinem Ende entgegen. Zwarschienen die Benediktiner nicht zu glauben, daß ihre so schöne, soglänzende und kaum noch so nützliche Rolle vollendet sei. Alleindie meisten standen ihrem hohen Amte in einer solchen Weise vor,daß cs selbst den Augen ihrer Freunde schwer wurde, in einer ziem-lich großen Anzahl von Mönchen, die sich der Trägheit und Zer-streuung überließen, die ehemals schlichten und eifrigen Diener Got-tes wieder zu erkennen. Die Gelübde, welche die Novizen ableg-ten, bildeten mit dem heimlichen Unfug und dem öffentlichen Aer-gerniß im Benehmen mancher Mönche einen allzu auffallendenWiderspruch, als daß sie von Seiten des Volkes etwas Anderes hät-ten erwarten können, als die Rücksicht auf die geistliche Würde über-haupt, deren Strahlen auch auf die Unwürdigen fielen.
Es schien, der menschliche Geist habe bereits alle Mittel er-schöpft, das beschauliche Leben in seiner Reinheit zu bewahren. Der