scheid, daß man fürder keinen goldenen, sondern blos einen silbernen,aber vergoldeten Kelch haben solle. Meßgewand, Stola, Mani-pnlnin und andere Kirchenornale mußten von gewöhnlichem Stoffeseyn, und weder Seide, noch Gold, noch Silber durfte daran sepn.Man wußte zwar wohl, daß die Neichthümer und Verschönerungender Kirche die Ehre Gottes zu ihrem Gegenstände haben, und mangestattete sic auch in den Kathedralkirchen der Bischöfe, welche denZweck haben, dadurch die Andacht eines ganzen Volkes, das imAllgemeinen für das Geistige nicht sehr empfänglich ist, zu wecken.Aber, dachte man, was wollen wir Mönche mit diesem Aufwand,mit dieser Pracht? Etwa bei den Anwesenden Gefühle des Schmer-zes und der Zerknirschung, oder der Freude und der Befriedigungerregen? Was hat all' dieser Ncberfluß mit den Leuten, welchedas Gelübde der Armuth ablcgten, mir Mönchen, mit Geistlichen,gemein? i Das Leben und Wirken der Mönche trug noch mehrdas Gepräge der Armuth, als die äußern Gegenstände. Alleingerade die Strenge der Regel, über deren übermäßige Anforderun-gen man klagte, mußte der ueucn Anstalt den Todesstoß geben.Zwar blieben die Mönche, die das Ordenögelübde abgelegt hatten,im Kloster; allein in Folge der Entmuthigung, welche ein so strengesLeben in den Herzen der Fremden hervorrief, wollte Niemand mehrin die Abtei sich aufnehmcn lassen. Doch der Himmel erhörte dieMönche des heiligen Stephanus, 2 und ein unerwartetes Ereig-niß gab dem Orden ein neues Leben.
Der heilige Bernard nämlich trat im Jahre 1113 mit dreißigGenossen in das Kloster und bat demüthigst um die Gnade derAufnahme und Bekleidung mit dem weißen Habite von Cisteaur.
' Lnnctus kornnrilus o. 11, n. ZI.
2 Unter den verschiedenen von Stephan Harding, dem Engländer, getrof-fenen Einrichtungen ist die Communton unter beiderlei Gestaltensehr merkwürdig, da eben damals in der Kirche selbst der Kelch entzogen znwerden begann. Die beiden Gestalten erhielten sich hier bis in das fünfzehnteJahrhundert als Regel, während sie in den Kongregationen von Clngny undSaint-Denis nur an einzelnen Festen ausnahmsweise üblich waren. Nicht un-bedeutend wirkte Stephan durch den sogenannten heiligen (schwarzen) Gürtel,welchen er als ein Geschenk der heiligen Gottesmutter erklärte, und so dieSehnsucht Vieler nach ihm erweckte. Er verlieh dem weißen Kleid und demschwarzen Skapnlier einen eigenthümlichen Nimbus.