Dazu kommt noch, daß tu diesem Zeitabschnitte sowohl in Frank-reich als in Deutschland eine Menge Kloster anderer Regel gegründetwurde, und daß der Anfang dieser glücklichen Umwälzung von einerGegend ausging, von der man cs am wenigsten erwartet hätte. DasChristenthnm, welches der heilige Patricias nach Irland gebrachthatte, hatte sich daselbst mit einer so unglaublichen Schnelligkeitverbreitet, daß es in kurzer Zeit herrschende Religion wurde undUlan daselbst voll der Mitte des sechsten Jahrhunderts an berühmteKlöster nennen konnte. In der ruhigen Abgeschlossenheit pflanztesich nicht allein das beschauliche Leben und selbst das Studium derWissenschaften fort, sondern cs gingen auch von Zeit zu Zeit Glau-bcnsapostel aus ihr hervor, welche allenthalben, wo ihre Schrittesie hintrugen, das Christenthnm predigten und Klöster errichteten.Von diesen irländischen Mönchen ist der heilige Colnmban derberühmteste. Nachdem er in Frankreich mehrere Klöster errichtet undden heiligen Gallus, den Stifter des Klosters Sankt Gallen (613),seinen Schüler, znrückgelassen hatte, damit er in der Schweiz die-selbe Sorge auf sich nehme, begab er sich nach Italien, erbaute da-selbst noch ein Kloster, in dem er im Jahre 615 starb. ^ Die That-sachc, daß seine Regel, die ungleich strenger war, als die des hei-ligen Benedikt, in vielen Klöstern Frankreichs angenommen wurde,beweis't hinlänglich, daß die der Benediktiner noch nicht allgemeineingeführt worden war; denn die Vermuthung derjenigen, welcheanS dem heiligen Colnmban einen bloßen Benediktiner machen, ver-dient nicht, daß man sich dabei aufhalte.
Die Regel des heiligen Colnmban, welche eine wahre Abhand-lung über das Klostergelnbde ist, „zielt ans die Liebe zu Gott unddem Nächsten ab, deren Vorschriften sich auf Alle erstrecken." DerHeilige ermahnt zum Gehorsam, so wie zur Armuth, Uneigcnnützigkeit,Demnth, Keuschheit, Abtödtnng der Sinnlichkeit und des Eigenwil-lens, zum Stillschweigen und zur Weisheit, durch die man das Gutevom Bösen unterscheiden kann. Die Mönche sollen erst gegen Abendessen und nur von Kräutern und Wurzeln leben, die sie mit etwasBrod genießen können. Die Nahrung soll jedoch der Arbeit ange-
> Zn diesem Kloster erwählte er sich einen Ort an der Trebia, nahe anden Apenninen, welcher Bobio hieß.