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1 (1845)
Entstehung
Seite
8
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krankhaften Zustand der Begeisterung erhoben werden mußten; und siebetrachteten die meisten Ideen dieser Einsiedler als die Früchte einererhitzten und stets gespannten Einbildungskraft.Sie alle, fügtMoritz Döring bei, ' wurden vom Teufel versucht und gingen erstnach langem Streite siegreich aus diesem Kampfe hervor, die Mei-sten wurden ans eine ungewöhnliche Weise ernährt, so z. B. derheilige Paulus, dem ein Nabe täglich die Hälfte eines Brodesbrachte; Hunger und Schlaf schienen Einigen strafbare Gewohn-heiten zu sein, die sie mit Gewalt unterdrücken müßten. In demthörichten Vertrauen, Gott ähnlich zu werden, legte man alle mensch-lichen Gefühle ab und erniedrigte sich stufenweise zum wilden Thiere."Diese Bcurtheilung zieht sowohl den heiligen Abt Hilarion (372) alsden heiligen Simeon Stylites r (451) mit in ihren Kreis, welche dermoderne Jndifferentismus brandmarkt, da er ihre Tugend nicht zuwürdigen weiß. Und doch sind wir, gemäß der Glaubwürdigkeitder Thatsachcn nicht berechtigt, gegen die strengste Beurtheilung einMißtrauen zu hegen, da die Wahrheit der Geschichte jener Personen,die man lächerlich machen wollte, sich aus das Zeugniß vieler gleich-zeitiger Schriftsteller stützt, von denen mehrere Augenzeugen dessenwaren, was sie erzählen.Sollen wir die Anktorität dieser Schrift-steller verwerfen, und sollte man cs nicht wissen, daß es Männerwaren mit ausgezeichneten Tugenden geschmückt und mit rühmlichbekannter Frömmigkeit, die kein Interesse hatten, der Wahrheituntreu zu werden? Ist cs wohl glaubwürdig, daß sie sich ver-schworen, die Welt hinsichtlich solcher Thatsachcn, welche öffentlichund allgemein bekannt waren, zu betrügen? Ferner konnte einesolche Verschwörung unmöglich unter Schriftstellern stattfindcn, welchein so weiter Entfernung von einander lebten und in keiner wechsel-

» Geschichte der vornehmsten Orden, Buch I. p. 7- Da ich übrigens Dö-rings Werke nicht in die Hände bekommen konnte, so folgte ich stets der fran-zösischen Uebersetzung.

^ Den höchsten Grad von Jsolirnng erreichten die sogenannten Styliten.Auf einer Säule stehend verweilten diese in ihrer Frömmigkeit Jahre lang,ohne ihren Standpunkt zu verlassen. Ja! Simeon Stylites, der Aeltere, wohnte30 Jahre lang auf einer Säule, und wäre gewiß stets das größte Muster derStandhaftigkeit geblieben, wenn nicht Simeon der Jüngere die seinige noch um35 Jahre überboten hätte.