nach und suchten im Dunkel der Wälder, in der Stille der WüstenSchutz und Schirm gegen die drohenden Gefahren. Wenn die Naturdieser ihrer beschwerlichen Lage sie sogleich vcrnrtheilte, ihr Lebenans die erbärmlichste Weise zu erhalten, und sich Entbehrungen allerArt zu unterziehen, so wußte ihre erfinderische Frömmigkeit diesenZustand sich bald zu Nutzen zu machen, und sie schmeichelten sichmit einer Lebensart, die ihr Verdienst verdopple und ihnen so diegöttliche Barmherzigkeit erwerbe.
Wir können um so mehr versichert sein, daß man uns nichtder Ungerechtigkeit beschuldige, indem wir der Entstehung der Ere-miten keinen andern Beweggrund unterschieben, als den, welchendie katholischen Geschichtschreiber einstimmig angeben, daß nämlichder heilige Paulus von Theben wegen der Verfolgung des KaisersDecins in die Wüste fliehen mußte, wo ihm die Noch Gelegenheitzur Uebung der schönsten Tugenden darbot. Der h. Paulus wird imAllgemeinen der Stifter der Eremiten genannt. Vielleicht will diesbloö so viel sagen, daß die Strenge seines Lebens, das er ununter-brochen in der Wüste znbrachte, und das er durch Fasten, Kasteiung,Gebet und Betrachtungen heiligte, einen ungewöhnlichen Glanzerhielt und so mehrere Christen anspornte, sich ein gleiches zu wäh-len. Diese Erklärung ist um so mehr zu billigen, da der heiligePaulus von seinem drcinndzwanzigstcn Jahre an bis in sein tiefstesAlter, so vieler Versuchungen ungeachtet, seinem Entschlüsse treublieb. Wenn in der Folge die Wälder und Wüsten mit frommenNachahmern, mit feurigen Nachcifercrn des heiligen Paulus ange-füllt wurden, so wird uns dies ganz natürlich scheinen, wenn wiruns an die reine Lehre des Christenthums über das Verdienst derAbtödtnng erinnern, wenn wir bedenken, daß damals die Christen,denen die unglückseligen Zeiten fast den Umgang mit der Welt ver-boten, zu diesem Opfer ihre Zuflucht nehmen mußten, um wenig-stens ihre Ruhe zu sichern; wenn wir endlich erwägen, was dasfür ein Land ist, dessen Einöden mit so außerordentlich vielen Ein-siedlern bevölkert wurde: es ist nämlich Aegypten.
Der heilige Hieronymus hinterlicß uns folgende Lebensbeschrei-bung: Zur Zeit der so blutigen Christenverfolgung des Decins warPaulus 15 Jahre alt, ein Waise, übrigens im Besitz eines großen