Gleichwohl müssen wir, um etwaigen falschen Folgerungen,welche aus diesen Grundsätzen gezogen werden könnten, vorzubeugen,beifügen, daß die Einrichtungen in den Klöstern der christlichenJahrhunderte in keinem Zusammenhänge mit den Gebräuchen undden Nebungcn der Gesellschaften stehen, welche in Indien, inGriechenland und bei den Inden bestanden; doch scheint es, daßMönche, in der Absicht, ihrer Anstalt den Ruf eines ehrwürdigenAlters zu verschaffen, den Ursprung ihrer Klöster durch eine ununter-brochene Reihenfolge bis auf jene vorchristlichen Anstalten zurück-führen wollten.
Es wäre unrichtig, in der engen Verbindung der ältestenChristen unter einander schon eine Art von Mönchsgeselstchastensehen zu wollen, und obgleich die Sage dem heiligen Markus schondie Stiftung eines Mönchsordens znschreibt, so kennt doch die Ge-schichte in dem ersten Jahrhunderte der Kirche keine solche Anstalt.
Ascclcn.
Erst gegen die Mitte des zweiten Jahrhunderts wollten sicheinige Glieder der großen Gesellschaft durch eine strenge Uebung imChristenthum auszeichnen und gaben allmählig dem ascetischen Lebenseinen Ursprung. Die Aufgabe dieser Asteten bestand nun in einersteten Beobachtung der Anforderungen des Christenthums, um sichso durch eine Bildung nach gewissen evangelischen Rächen zu einermusterhafteren Frömmigkeit zu erheben. Wer nicht blos auf denGenuß von Wein und Fleisch, sondern auch auf die Ehe und ihreRechte verzichtete, konnte sich des bcsondcrn Wohlgefallens Gottesgetrösten. Diese Größe der Selbstverlängnuug, diese Verachtung derVergnügen, die nur den Sinnen schmeicheln, reißen nun unwill-kührlich zur Bewunderung hin, obwohl sie scheinbar der Bestim-mung des Menschen, wie man sie gewöhnlich auffaßt, schroff gegen-über stehen. Das Leben des Asteten setzte eine Abgeschiedenheit vonseines Gleichen voraus, mochte sie nun auf einer angeborncn Neigungzur Einsamkeit beruhen, oder auf dem Eckel, welchen der Anblickeiner verdorbenen Gesellschaft in einer tugendhaften Seele hervor-tue Essäer durch ihre Trennung vom Judeuthum, rüdem sie theosophische Ge-heimlehren unter sich verbreiteten.