Druckschrift 
1 (1828)
Entstehung
Seite
219
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Darum läßt der lanqmüthige und barmherzige Gott, derdes Sünders Tod nicht will, sondern daß er sich bekehreund lebe, so manche Weckstimme an ihn ergehen.. Diesengöttlichen Weckstimmen soll der Sünder bei Zeiten Gehörgeben, und von seinem geistlichen Schlaf aufstehen, aufsein Heil bedacht werden und es bei Christo suchen, sichvon seinen Sünden zu ihm bekehren und seiner Seelen Se-ligkeit mit Ernst zu schaffen anfangen.

Aber diejenigen, die aus ihrem Sündenschlaf erwachtund durch eine wahre Sinnesänderung davon aufgestandcnsind, müßen sich auch der Wachsamkeit befleißigen, vorgeistlicher Trägheit und Schläfrigkeit sich hüten. Wasist denn aber die geistliche Wachsamkeit, die nicht alleindem Sündenschlaf und der fleischlichen Sicherheit natürlicherMenschen, sondern auch der Trägheit, Unachtsamkeit undLauigkeit, der sich Gläubige zuweilen überlassen, entge-gensteht? — Sie ist die genaue Aufmerksamkeit auf unsselbst, auf unsre Feinde, und die Gnadenwirkung Gottesin uns, auf unsre Pflicht und Vortheilc, auf Alles, wasuns schädlich und nützlich ist im Christenthum, verbundenmit einem heiligen Ernst das Schädliche zn verhüten unddas Nützliche zu befördern.

Einem Christen lehrt es nun sowohl die gesunde Ver-nunft und eigne Erfahrung als auch die heilige Schrift,daß er vor allen Dingen zu wachen habe über sein Herz,über die Eingänge und Ausgänge desselben, über die Wir-kungen des Geistes und des Fleisches, der Gnade und derFeinde in demselben. Darum heißt es Sprichw. 4, 28:Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus geht dasLeben. Von der guten oder schlechten, Gott gefälligen odermißfälligen Beschaffenheit unseres Herzens hängt Ne guteoder schlechte, die Gott gefällige oder mißfällige Beschaffen-heit unseres Lebens und Wirkens ab. Denn das Herzist der Sitz unserer Gedanken, Neigungen, Anschläge undGesinnungen, der Sitz aller Tugenden und aller Laster,der Sitz des geistlichen Lebens und seiner Wirksamkeiten,die davon ausgehn, des geistlichen Todes und der verderb-lichen Früchte, die er bringt. Es ist die Quelle undTriebfeder aller unserer Reden und Handlungen. Darum