Druckschrift 
1 (1828)
Entstehung
Seite
201
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Bitten und Flehen können wir als gleichbedeutendeAusdrücke ansehen, nur daß wir durch das hinzugefügteFlehen den Ernst und anhaltenden Eifer im Bitten ver-stehen. Bitten müßen wir um die Mittheilung allesGuten, das uns nöthig ist, und um die Abwendung allesUcbels, das uns schädlich ist.- Wie viel Stoff und Ver-anlassung zum Bitten findet daher ein jeder Heilsbegierige,da des Guten, das wir Arme, die in sich nichts haben,zu unserm Heil bedürfen und der allgenugsame Gott unsverheißen hat, so viel, und das Uebel, das uns drückt,drohet und treffen kann, so mannigfaltig ist. Wer sichselbst kennt und auf sich Acht hat, wer nicht allein seinezeitliche, sondern auch seine geistliche und ewige Wohl-fahrt liebt und sucht, wem es recht am Herzen liegt,daß Gott durch ihn geehret und gepriesen werde, daß erin der Gnade und Erkenntniß Jesu Christi wachse, seinenBeruf und Erwählung fest mache, seine Heiligung vollendein der Furcht Gottes, von seinen anklebenden Untugendenbesser gereinigt und nach dem Bilde Gottes völliger er-neuert werde, reicher werde an geistlicher Erkenntniß,Glaube, Liebe und Hoffnung, aus der Fülle Jesu nehmeGnade um Gnade, daß er vor Jrrthümern, Sündenfällenund Strauchlungen bewahrt bleibe, daß ihm niemand dasZiel verrücke und seine Krone nehme, daß er dem Kleinod,welches vorhält die himmlische Berufung Gottes in ChristoJesu, näher komme und des Glaubens Ende, der SeelenSeligkeit, davon trage: — der braucht nicht zu fragen:um was soll ich bitten? Es giebt sich ihm genug dazuan die Hand. Wie nöthig hat er unter andern den Herrntäglich zu bitten, daß er ihn die ganze Waffenrüstungbesser anlegen und treuer gebrauchen lehre zur Bekämpfungund Besiegung aller unsrer geistlichen Feinde , ihrer An-läufe und Versuchungen z daß der Herr ihm seine Lendenimmer besser mit Wahrheit und Aufrichtigkeit umgürte,keine Unlauterkeit bei ihm bleiben lasse, sondern was nochdavon übrig ist aufdecke und wegnehme z daß er ihm denKrebs, den Brusiharnisch der Gerechtigkeit, fest anziehe,ihn von seinem Antheil, an der stellvertretenden Gerechtig-keit Christi je länger je völliger überzeuge und darauf

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