Druckschrift 
1 (1828)
Entstehung
Seite
28
Einzelbild herunterladen
 

— 2 » —

erlaubt ihnen Alles, was sie thun wollen, fordert nichtsvon ihnen, wozu sie keine Lust haben, züchtigt und be-straft sie nicht über ihre Unarten und Vergehungen, damitsie nicht zornig werden. Das kann unmöglich die Mei-nung des Apostels sein. Damit würde er den Erfahrun-gen und Bemerkungen Salomons widersprechen, der Prov.22, i 5 . sagt: Thorheit steckt dem Knaben im Herzen,aber die Ruthe der Zucht wird sie ferne von ihm treiben zund Prov. 29, i 5 : Ruthe und Strafe gibt Weisheit,aber ein Knabe ihm selbst gelassen schändet seine Mutter.Ja, damit würde Paulus sich selbst widersprechen, seinevorhergehende Ermahnung: Ihr Kinder, seid gehorsam eu-ren Aeltern, wieder aufheben und feine nachfolgende Auf-forderung, die Kinder in der Zucht und Vermahnung zumHerrn zu erziehen, kraftlos und vergeblich machen. AlleKinderzucht würde damit wegfallen und der HohepriesterEli, der ein gütiger und zärtlicher, aber schwacher undnachläßiger Vater war, der seine Kinder, um sie nichtmißvergnügt, unwillig und zornig zu machen, nach ihremeigenen Willen handeln ließ und bei ihren Unarten und Ver-gehungen höchstens den Kopf schüttelte und sprach: »nichtso meine Kinder,« könnte alsdann als ein musterhafterVater vorgestellt werden, da er uns doch von Gott inseinem Wort als ein warnend Exempel eines sehr sträfli-chen Vaters und schlechten Erziehers seiner Kinder.aufge-stellt wird.

Die Warnung Pauli: Ihr Väter, reizet eure Kindernicht zum Zorn, muß so verstanden und erklärt werden,daß sie mit den übrigen Lehren ver h. Schrift und mitseiner vorhergehenden und nachfolgenden Ermahnung über-einstimme, mit dem schuldigen Gehorsam der Kinder undder ihnen nöthigcn Zucht bestehen könne. Die Kinderfrühe an Gehorsam und Unterthänigkeit, an Zucht undOrdnung gewöhnen, sie so gewöhnen, daß es ihnen genugist zu wissen: Vater oder Mutter haben es uns verbotenoder befohlen, das ist selbst ein Mittel sie vor Zorn zubewahren, .wozu sie desto leichter gereizt werden, je län-ger sie gewohnt sind ihren Willen zu bekommen, je mehrsie verzärtelt werden. Vernunft und Schrift verbieten die