Druckschrift 
24 (1852) Die Verlobten
Entstehung
Seite
452
Einzelbild herunterladen
 

452

die Erzählung auszustatten im Stande waren, allein sie ent-hielten doch die allgemeine und erschreckende Thatsache, daßseine Braut und sein geliebter Neffe sich miteinander zn sei-ner Unchre verbunden, und das Banner der Empörung ge-gen ihren gesetzmäßigen Oberherrn erhoben hatten, daß fernerdas Mißlingen ihres gewagten Unternehmens das Leben deseinen Theils derselben wenigstens in die größte Gefahr ge-stürzt, und das Haus La cp, wenn nicht eine plötzliche Hülfegefunden wurde, an den Rand des Verderbens gebrachthatte.

Vidal beobachtete die Geberdcn seines Herrn, währenddieser sprach, mit der scharfen Aufmerksamkeit, mit der derWundarzt die Fortschritte seines ZergliederungSmefsers ver-folgt- Kummer, tiefer Kummer sprach aus den Gestcktszügendes Constabels, allein die Muthlofigkeit und Niedergeschlagen-heit, die ihn gewöhnlich begleiten, lag nicht in ihnen. Zorn,Scham zeigten sie aber beide Empfindungen trugen einenedlen Charakter, denn ste schienen mehr durch das Bewußt-sein, daß seine Braut und sein Neffe gegen ihre Lehenspflichrgesündigt und ihre Ehre und Tugend befleckt hatten, als durchdas Unglück und den Schaden, den er selbst durch ihr Ver-brechen erlitten hatte, erzeugt worden zu sein. Der Minstrelerstaunte so sehr über diesen Uebergang seines Benehmensaus dem stechenden Schmerze, den ihm der Anfang seinerErzählung verursacht hatte, daß er zwei Schritte zurücktrat,den Constabel mit Staunen und Bewunderung anblickte undausrief: »wir haben in Palästina viel von Märtyrern gehört,allein dieß übertrifft sie."

Wundere dich nicht so sehr, guter Freund," sagte derConstabel,der erste Streich ist es, der verwundet oder be-täubt die Uebrigen werden wenig gefühlt."