438
„Mensch oder Teufel! was du auch sein magst," erwiederteGuarine, „der du dich an dem Schmerze eines Andern ge-mächlich laben kannst, ich bitte dich, hüte dich vor mir! Suchedir andere Ohren für deinen kalten Hohn. Denn wenn meineZunge auch stumpf ist, so führe ich doch ein Schwert, dasscharf genug ist."
„Du sahst mich unter Schwertern und weißt, wie wenigsie einen Mann, wie ich bin, cinzuschüchtern vermögen." Dochtrat er von dem Knappen weg, denn er hatte ihn in derThat nur in jener Fülle des Herzens angeredet, die sich,wäre er allein gewesen, durch ein Selbstgespräch Lust gemachthätte, und sich nun in das Ohr des nächsten Zuhörers aus-goß, ohne daß sich der Sprecher der Gefühle, welche seineWorte erregen könnten, ganz bewußt war.
Mehrere Minuten waren verstrichen, ehe der Constabel vonChester die ruhige Haltung wieder erlangt hatte, mit der erbis auf diesen letzten furchtbaren Stoß alle Schläge des Schick-sals ertragen hatte. Er wandte sich jetzt zu seinen Beglei-tern und redete den Minstrel mit seiner gewöhnlichen Ruhean: „Du hast recht, guter Bursche, in dem, was du mir soeben sagtest, und ich verzeihe dir den Ton, mit dem du dei-nen guten Rath begleitetest- Sprich in Gottes Namen, undsprich mit mir als mit einem Menschen, der auf das Unglückgefaßt ist, das Gott ihm zugeschickt hat. Sicherlich bewährtsich ein guter Ritter am besten in der Schlacht, und ein gu-ter Christ in den Zeiten der Not- und der Bedrängniß."
Der Ton, in welchem der Constabel sprach, schien auf dasBetragen seiner Begleiter eine entsprechende Wirkung hervor-zudringen. Der Minstrel ließ auf einmal den spöttischen undkühnen Ton fahren, in welchem er bisher mit den Leiden-schaften seines Herrn zu spielen geschienen hatte, und theilte